Dienstag, 8. Mai 2007

'Es gibt überhaupt keine Probleme': Helmut Elsner in Wien als 'vorbildlicher' Gefangener

  • Leiter der Justizanstalt von Ex-Banker sehr angetan
  • Verzehrte auch seinen Grießschmarren ohne Protest

Ruhig und ohne Zwischenfälle sind die ersten 24 Stunden verlaufen, die Helmut Elsner seit seiner Überstellung vom Kärntner Kurzentrum Treibach-Althofen ins Wiener Landesgerichtliche Gefangenenhaus verbracht hat. "Herr Elsner verhält sich vorbildlich", widersprach der Leiter der Justizanstalt Josefstadt, Major Josef Gramm, Medienberichten denen zufolge der ehemalige BAWAG-Generaldirektor gegen die Hausordnung aufbegehrt haben soll.

Elsner habe weder "einen Wirbel geschlagen" noch sich über irgend etwas mokiert, versicherte Gramm: "Im Gegenteil, er hat sich sogar positiv über die Justizwache geäußert und sich bisher völlig unauffällig verhalten. Es gibt überhaupt keine Probleme." Auch über das, für einen früheren Spitzenbanker eher bescheidene Mittagessen - Tagessuppe und Grießschmarren - soll sich Elsner nicht negativ geäußert, sondern ohne Protest gegessen haben.

Teilt sich Zelle mit zwei Häftlingen
Da die auf 76 Betten systemisierte Krankenabteilung derzeit eine recht hohe Belegung aufweist, ist Elsner entgegen ursprünglicher Pläne nicht in einer Zwei-, sondern einer Vier-Mann-Zelle untergebracht. Diese teilt er mit zwei weiteren Häftlingen, "die einen ähnlichen Charakter besitzen", so der Anstaltsleiter: Es soll sich dabei um Männer mit deutscher Muttersprache, einem ähnlichen Bildungsniveau und in ebenfalls vorgerücktem Alter handeln.

Ob Elsner gegen durchaus übliche Symptome in Folge der überstandenen Herzoperation - in seiner Lunge hat sich Wasser abgelagert - behandelt wird, dürfte sich demnächst entscheiden. Sollten die Ärzte eine Punktierung für nötig erhalten, wird der bald 72-Jährige vermutlich kurzfristig einen Termin im Wiener AKH bekommen, der aber keinen längeren stationären Aufenthalt erforderlich machen dürfte. Über allfällige körperliche Beschwerden habe sich Elsner in den vergangenen 24 Stunden jedenfalls nicht geäußert, bemerkte Gramm abschließend.

Kein Luxus für Elsner
Der 76 Betten umfassende Sondertrakt, in dem Elsner bis auf weiteres untergebracht ist, weist im Vergleich zu den anderen Hafträumen keinen besonderen Komfort auf. Elsner muss laut Gramm mit "einem ganz normalen verchromten Bett" vorlieb nehmen, das sich nicht mit den in Krankenhäusern üblichen, am Kopfende höhenverstellbaren Schlafstätten vergleichen lässt. Einzig der Bodenbelag unterscheidet sich von den "normalen" Zellen im Landesgerichtlichen Gefangenenhaus. Für die Morgentoilette - Tagwache ist um 6.00 Uhr in der Früh - steht Elsner ein räumlich abgetrennter Bereich mit einer Waschmöglichkeit zur Verfügung.

Keine Sonderbehandlung
Elsner soll ab sofort in den "Häf'nalltag" eingebunden werden. Sonderbehandlung bei der Essenszuteilung wird es allenfalls aus medizinischen Gründen geben. Ansonsten bekommt Elsner dasselbe vorgesetzt wie die anderen Häftlinge. Elsner soll auch am täglich einstündigen Spaziergang im Innenhof teilnehmen, wozu er allerdings nicht gezwungen werden kann. "Für ihn wäre die Bewegung an der frischen Luft sicher gut. Das würde seinen Kreislauf anregen", gab Gramm zu bedenken.

Sollte sich Elsner nicht weigern, wird er gemeinsam mit den anderen auf der Krankenabteilung untergebrachten Insassen - derzeit rund 60 Personen - "Bewegung im Freien" machen. Zusätzliche Bewachungsmaßnahmen hält Gramm für nicht nötig, tätliche Übergriffe von Mitgefangenen habe Elsner nicht zu befürchten.

Darüber hinaus stehen dem früheren BAWAG-Chef die auf der Abteilung vorhandenen technischen und personellen Möglichkeiten - darunter physiotherapeutische Unterstützung - für ein Herz-Kreislauf-Training zur Verfügung, um sich für den Mitte Juli startenden BAWAG-Prozess wappnen zu können. Auch in seinem Haftraum wird Elsner entsprechende Übungen machen dürfen.

(apa/red)

8.5.2007 14:38