Samstag, 5. Mai 2007

Tycoon Carlos Slim Helú: Der nächste
reichste Mann der Welt im FORMAT-Porträt

  • Mexikaner drängt sich zwischen Gates und Buffett
  • Vermögen des Telekom-Tycoons: 53 Milliarden Dollar

Sieben Jahre lang waren Bill Gates und Warren Buffett unzertrennlich. Doch jetzt hat sich ein in der westlichen Welt bisher weitgehend unbekannter korpulenter Mexikaner namens Slim zwischen die beiden US-Milliardärskollegen gedrängt. Nicht, dass Carlos Slim Helú, so der vollständige Name des Mannes, der Freundschaft zwischen Gates und Buffett und ihrer intensiven Zusammenarbeit, etwa bei gemeinnützigen Stiftungen, etwas anhaben könnte - die Rede ist vielmehr von der Weltrangliste der Superreichen. Dort hat Slim Warren Buffett von seinem angestammten zweiten Platz verdrängt und fordert nun sogar Bill Gates, den seit 13 Jahren unangefochten reichsten Mann der Welt, heraus.

Noch im März, als das Wirtschaftsmagazin "Forbes" sein Jahresranking veröffentlichte, war Buffett mit 52 Milliarden Dollar Vermögen unmittelbar hinter Gates (56 Milliarden) und noch vor Slim (49 Milliarden) gelegen. Doch das anhaltende Kursfeuerwerk an der mexikanischen Börse katapultierte Slims Vermögen inzwischen auf 53 Milliarden Dollar - gegenüber 2005 ein Zuwachs von 23 Milliarden Dollar. Slim selbst kommentiert das Ganze relativ trocken: "Die Börse geht hinauf - und sie geht hinunter." Doch wer ist dieser Mann, der es in einem Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt, zum zweitreichsten Mann der Welt gebracht hat und dessen Vermögen allein sieben Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Mexikos ausmacht?

Jedenfalls kein typisch lateinamerikanischer Großgrundbesitzer und Feudalherr, auch wenn er mit seinem Schnauzbart und einer Vorliebe für dicke Zigarren einige der Klischeebilder dafür auf den ersten Blick durchaus erfüllt. Slim ist vielmehr ein hart arbeitender Geschäftsmann, als Sohn einer Einwandererfamilie ein sozialer Aufsteiger in der festgefügten Gesellschaftsordnung Mexikos und mit seinem fast untrüglichen Gespür für günstige Gelegenheiten und Schnäppchen sowie seinem Talent zum Knüpfen nützlicher Beziehungsgeflechte sogar mehr Händler als Unternehmer.

Sein Vater, ein libanesischer Christ, war noch aus dem Osmanischen Reich nach Mexiko gekommen, hatte 1911 während der Revolution Pancho Villas in Mexiko-Stadt Immobilien zu günstigen Preisen erworben und damit den Grundstein zu einem ansehnlichen, wenn auch nicht exorbitanten Vermögen gelegt. Dieser Yusef Salim, oder Julián Slim, wie er sich in Mexiko nannte, heiratete die Tochter eines anderen libanesischen Emigranten, 1940 wurde Carlos als fünftes ihrer sechs Kinder geboren.

Seinen Riecher für ertragreiche Investments soll Carlos Slim schon in jungen Jahren bewiesen haben. Mit 17, so die wohlgepflegte Legende, hatte er sich die erste eigene Peso-Million mit Deals an der mexikanischen Börse erspekuliert. Grundlage seiner Investorenkarriere war das Erbe des früh verstorbenen Vaters. Trotz seiner unzweifelhaften Begabung für das Big Business vollzog sich der Aufstieg Slims aber zunächst eher unauffällig.

Der mit einem außergewöhnlichen Zahlengefühl ausgestattete junge Mann studierte Bauingenieurwesen und unterrichtete schon vor dem Abschluss Algebra und Lineare Programmierung an der Uni. Ein Talent, das er auch für finanziell Einträglicheres zu nutzen wusste - legendär ist ein Auftritt Slims bei der Eigentümerversammlung eines Unternehmens, an dem er eine Minderheitsbeteiligung hielt und im Kopf eine Jahresabrechnung erstellte, die fast punktgenau der späteren Präsentation der Finanzmanager entsprach. Im Laufe der Jahre summierten sich die Beteiligungen Slims zu einem ansehnlichen Firmengeflecht, das von Tabakläden über Restaurant- und Einzelhandelsketten bis zu Autozulieferern und Banken reicht.

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5.5.2007 09:15