Deutschland sucht die Superbörse: Frankfurter Börse greift nach US-Optionsbörse
- NY: ISE ist drittgrößter Handelsplatz Amerikas
Für gut 2 Mrd. Euro erwägt die Deutsche Börse den Kauf US-Terminbörse International Securities Exchange (ISE). Wie die Deutsche Börse berichtete, will der Börsen-Vorstand die Transaktion dem Aufsichtsrat zur Zustimmung empfehlen. Der Erwerb soll über die Terminbörse Eurex erfolgen, die die Deutsche Börse gemeinsam mit der SWX Swiss Exchange betreibt. Die Deutsche Börse bietet rund 2,8 Mrd. Dollar (2,06 Mrd. Euro) in bar oder 67,50 Dollar pro ISE-Aktie.
Die im Jahr 2000 gegründete und auf den Handel mit Aktienoptionen spezialisierte ISE ist der größte Derivatemarkt nach der Chicago Board Options Exchange (CBOT) in den USA. Der Handel mit Derivaten wie Aktienoptionen ist zuletzt schneller gewachsen als der klassische Wertpapierhandel und gilt vielen in der Branche als Zukunftsmarkt. Die ISE bestätigte auf ihrer Homepage, dass es fortgeschrittene Gespräche mit der Eurex über ein mögliches Zusammengehen gebe.
Nach Angaben der Deutschen Börse wollten der Aufsichtsrat der Deutschen Börse, der Verwaltungsrat der SWX und die Führung der ISE über den Deal entscheiden. Weitere Informationen würden bekannt gegeben, sobald eine Entscheidung getroffen worden sei.
Die Deutsche Börse war in der Vergangenheit im internationalen Übernahmekarussell der Branche ins Hintertreffen geraten. Im vergangenen Jahr waren die Frankfurter aus dem Fusionspoker um Euronext ausgestiegen. Die Vier-Länder-Börse schloss sich mit der New York Stock Exchange zusammen. An der Londoner Börse, mit der zwei Fusionsversuche der Deutschen Börse gescheitert waren, ist die US-Technologiebörse Nasdaq interessiert.
Die Deutsche Börse hatte aber immer wieder betont, sie wolle ihre Expansion im Ausland fortsetzen. Erst am Wochenende hatte Vorstandschef Reto Francioni in einem Interview angekündigt, die Deutsche Börse wolle aktiv in die weltweite Börsenkonsolidierung eingreifen und sehe sich nach Kaufzielen um.
"Die Konsolidierung wird weitergehen und nicht ohne die Deutsche Börse stattfinden", sagte Francioni. Eine Übernahme müsse aber Sinn für Aktionäre, Kunden und den Finanzplatz Frankfurt ergeben. "Wir werden uns nur dann engagieren, wenn wir Wert schafften können", sagte der Chef der Deutschen Börse. Das Unternehmen verfüge über "alle Mittel und Möglichkeiten, die wir brauchen. Unser Handlungsspielraum ist umfassend."
(APA/red)
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