Montag, 30. April 2007

Brettenthaler scheidet als Ärztekammer-Präsident aus: In Salzburg Mehrheit verloren

  • "Entscheidung erfolgte aus persönlichen Gründen"
  • Wiener Präsident Walter Dorner bekundet Interesse

Reiner Brettenthaler (63) scheidet nach vier Jahren als Präsident der Österreichischen Ärztekammer aus. Er hat bei den Wahlen in seiner Salzburger Ärztekammer die Mehrheit verloren und wird in seinem Bundesland nicht mehr für das Präsidentenamt kandidieren.

Da der Präsident der Bundes-Ärztekammer nur aus dem Kreis der Länderpräsidenten gewählt werden kann, kommt Brettenthaler auch für diese Funktion nicht mehr in Frage. Als Favorit für seine Nachfolge gilt nun der Wiener Präsident Walter Dorner. Er hat bereits sein Interesse bekundet, die Standesvertretung auch auf Bundesebene anzuführen.

In Salzburg hat sich eine Drei-Koalition gegen Brettenthaler und für den Dermatologen und Spitalsärztevertreter Karl Forstner gebildet. Der praktische Arzt Brettenthaler hat deshalb nun angekündigt, bei der Konstituierung der Salzburger Ärztekammer nicht mehr für das Präsidentenamt zu kandidieren. Diese Entscheidung erfolge "nach langen Gesprächen und aus persönlichen Gründen".

"Ich habe mich über drei Jahrzehnte an vorderster Front für die Interessen des Ärztestandes und die Erhaltung einer zuwendenden und zeitgemäßen Medizin eingesetzt. Es ist nun an der Zeit, das Heft in jüngere Hände zu legen", sagte Brettenthaler. Er hatte 27 Jahren lang die Funktion des Präsident der Salzburger Ärztekammer inne. In der Österreichischen Ärztekammer war er seit 1990 als Vizepräsident und seit dem Jahre 2003 Präsident tätig. In den Jahren 2002 und 2003 fungierte Brettenthaler auch als Präsident des ständigen Ausschusses der Ärzte (CPME), der Dachorganisation der europäischen Ärzte in Brüssel.

Dorner bekundet Interesse am Posten
Der Präsident der Wiener Ärztekammer, Walter Dorner, bekundet sein Interesse am Posten des Bundeskammerpräsidenten. Zunächst muss er allerdings am 8. Mai von der Vollversammlung der Wiener Kammer in seinem jetzigen Amt bestätigt werden. "Wenn meine Ärzte und Ärztinnen meinen, dass ich gut für die Wiener Ärzteschaft arbeite und auch für ganz Österreich, dann werde ich mich sehr darum bemühen, das Amt auch in Österreich auszufüllen", so Dorner.

Aus der Kammerwahl in Wien war die "Liste Dorner" Ende März als Sieger hervorgegangen. Am 8. Mai steht nun die offizielle Wahl des Präsidenten an. Sollte er wieder mit dem Amt betraut werden, dann werde man das Thema der Bundeskandidatur ernsthaft diskutieren, so Dorner: "Ich habe mein Interesse schon bekundet."

Allerdings sei es in der Kammerpolitik genauso wie in der Parteipolitik: Es könne jeden Tag etwas passieren. Am Montag war bekannt geworden, dass der derzeitige Bundeskammerpräsident Reiner Brettenthaler am 22. Juni nicht mehr zur Wiederwahl antritt.

Der Chirurg Dorner, geboren am 1. Juni 1942 in Niederösterreich, trat sein Amt als Wiener Ärztekammer-Präsident 1999 an. Zuvor war er Sektionsobmann der Fachärzte der Standesvertretung, seit 1991 auch Bundesvorsitzender der österreichischen Fachärzte.

(apa/red)

30.4.2007 12:00