Donnerstag, 3. Mai 2007

Milan brennt auf die Revanche: Im Endspiel
in Athen soll es kein zweites Istanbul geben

  • Neuauflage des legendären Finales gegen Liverpool
  • ManU entzaubert: Größere Routine war entscheidend

Nun ist sie perfekt, die Neuauflage des legendären Champions-League-Finales 2005 in Istanbul. AC Milan und Liverpool treffen am 23. Mai in Athen aufeinander und die Mailänder, glänzender 3:0-Sieger gegen das entzauberte Manchester United, haben nur eines im Sinn: Rache. "Istanbul tut noch immer weh. Aber jetzt ist die Chance zur Revanche gekommen", weiß Milan-Trainer Carlo Ancelotti.

Vor allem die vor der Pause gegen ManU gezeigte Leistung war selbst für einen sechsfachen Meistercup- bzw. Champions-League-Sieger herausragend. Ancelloti sprach sogar von der "besten Halbzeit meiner Amtszeit, das war perfekt". Und diese dauert seit November 2001 und beinhaltet u.a. drei CL-Final-Teilnahmen. Die Treffer im strömenden Regen im ausverkauften Meazza-Stadion erzielten Kaka, Clarence Seedorf und Alberto Gilardino.

"Das ist ein Ziel, auf das wir hingearbeitet haben. Dieses Finale zu erreichen, war härter als die zweimal davor", erklärte Ancelotti, dessen Team wieder einmal die Frage aufwarf, wieso es im Vergleich zur Serie A in internationalen Partien immer wieder zumindest einen Gang zulegen kann. Eine Klasse für sich war wieder Kaka, der Brasilianer hält nun bereits bei 10 Treffern in der laufenden CL-Saison.

Größere Erfahrung war entscheidend
In den vergangenen Jahren war Milan immer wieder als "zu alt" abgeschrieben worden, denn Leistungsträger wie Dida, Seedorf, Massimo Oddo, Alessandro Nesta, Filippo Inzaghi und Paolo Maldini sind allesamt älter als 30. Erfahrung, Routine und Eingespieltheit dürften aber gerade in der Finalphase der Millionenliga unbezahlbar sein. Das sieht auch ManU-Manager Alex Ferguson so.

"Man braucht sich nur das Milan-Team anschauen. Sie spielen seit vielen Jahren zusammen. Das ist in den entscheidenden Momenten immens wichtig." In der Startelf standen gleich acht Akteure, die auch beim gewonnen CL-Finale 2003 gegen Juventus mit von der Partie waren. "Meinen Team fehlt diese Erfahrung vollkommen. So etwas erreicht man nur, wenn man ein Team zusammenwachsen lässt", so Ferguson, dessen Team nach dem 3:2-Sieg im Hinspiel mit dem Gesamtsocre von 3:5 scheiterte.

Ronaldo und Rooney tauchten unter
Der Schotte erkannte aber die tolle Leistung der "Rossoneri" neidlos an: "Sie waren frischer als wir und haben fantastisch gespielt." Seine Stars wie Wayne Rooney oder Cristiano Ronaldo blieben blass. "Aber sie konnten in Mailand viel lernen", meinte Ferguson.

Sehr viel gelernt hat Milan mit Sicherheit am 25. Mai 2005. Damals hatten die Mailänder im CL-Finale gegen Liverpool zur Pause durch Tore von Maldini (1.) und Hernan Crespo (39., 44.) 3:0 geführt, mit einer sensationellen Aufholjagd und Toren durch Steven Gerrard (54.), Vladimir Smicer (56.) und Xabi Alonso (60.) brachte sich Liverpool aber in die Verlängerung und ins Elferschießen. Dort zog dann Keeper Jerzy Dudek den Milan-Kickern endgültig den Nerv.

ManU als "San Zeros" verspottet
"Fergusons Männer sind San Zeros (Heilige Nullen)", spottete "The Sun" mit einem Wortspiel in Anspielung auf das San-Siro-Stadion. "Es war brutal", klagte "The Daily Mirror". Die "Gazzetta dello Sport" feierte dagegen Milan und vor allem Ancelotti für sein "Meisterwerk".

Nach dem verlorenen Finale von 2005 stand der Coach kurz vor dem Rauswurf, jetzt schwor ihm Klubchef Silvio Berlusconi beinahe schon ewige Treue. "Ancelotti bleibt noch viele Jahre", sagte der Ex-Ministerpräsident und versprach weitere Stars für eine neue Milan-Ära. Ganz oben auf der Wunschliste stehen Brasilien-Star Ronaldinho (FC Barcelona) und Nationaltorwart Gianluigi Buffon (Juventus Turin).

"Wir waren stärker als das Unrecht, das Pech und der Neid", tönte Berlusconi. In der Tat scheint Milan im Liga-Manipulationsskandal vergleichsweise wegen Nichtigkeiten zu hart bestraft worden zu sein. Nach Aberkennung der Vize-Meisterschaft wurde der Klub nur "gnadenhalber" für die Champions League zugelassen, wo er sich dann durch die Qualifikation kämpfen musste. "Das Finale hat uns keiner zugetraut", stellte Kapitän Paolo Maldini nun voller Genugtuung fest.

(apa/red)

3.5.2007 13:07