"Fans waren fantastisch": Liverpool fixierte CL-Finaleinzug mit Leidenschaft und Herz
- Coach Benitez jubelt: "Es war ein perfekter Abend"
- Vier Titel in vier Tagen weg: Ende der Mourinho-Ära?
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An der Liverpooler Anfield Road war wieder einmal die Hölle los. Der im Elferschießen gegen Chelsea fixierte Champions-League-Finaleinzug der "Reds" verwandelte die Heimstätte des Liverpool FC in ein Tollhaus. "Die Fans waren unglaublich, fantastisch. Mit ihnen im Rücken haben wir Chelsea mit Entschlossenheit, Leidenschaft und Herz geschlagen. Es war ein perfekter Abend", jubelte Trainer Rafael Benitez, nachdem seine Mannschaft wie 2005 in Halbfinale der Millionenliga die "Blues" eliminiert hatte.
Benitez' Gegenüber Jose Mourinho gestand nach dem nächsten gescheiterten Versuch Chelseas Richtung Champions-League-Titel: "Wenn man ein Champions-League-Halbfinale im Elferschießen verliert, kann man durchaus vom bittersten Moment der Karriere sprechen." Der Portugiese, 2004 mit Porto Sieger der Millionenliga, bestand darauf, dass sein Team das bessere gewesen sei. "Vor der Pause hatten sie eine kurze gute Phase. Danach waren die Blauen die bessere Mannschaft, wir hätten uns das Finale verdient gehabt. Wir müssen jetzt stark sein."
Nach dem 0:1 im Hinspiel hatte Daniel Agger für den Ausgleich gesorgt (22.), im Elferschießen parierte dann Goalie Pepe Reina die zwei Elfmeter von Arjen Robben und Geremi und Dirk Kuyt verwandelte schließlich den entscheidenden Penalty. "Es war toll, das letzte Tor zu erzielen. Aber ich hatte den leichtesten Teil der Arbeit. Reina hat uns im Spiel gehalten", erklärte Kuyt seinen Goalie zum Helden. Dass Chelsea das bessere Team gewesen sein soll, sah Kuyt ganz anders: "Das ist die Sichtweise von Mourinho. Aber wir haben das Spiel von der ersten bis zur letzten Minute kontrolliert."
Liverpool-Kapitän Steven Gerrard bedankte sich bei Mourinho für dessen verbale Motivationsspritzen. "Es war doch ein bisschen respektlos, uns als kleinen Klub zu bezeichnen. Für einen kleinen Klub sind ja zwei Champions-League-Finali in drei Jahren nicht so schlecht. Das war einer der tollsten Abende meines Lebens, wir haben alles gegeben." Zum Elferschießen meinte Gerrard, der selbst einen Elfer verwandelte: "Mit einem der besten Tormänner der Welt kann man zuversichtlich ins Elferschießen gehen. Aber wenn der Trainer auf dich zeigt und sagt 'Du schießt' dann wird man automatisch nervös. Man braucht große Spieler, die Verantwortung übernehmen können."
Liverpool steht zum siebenten Mal im Finale des wichtigsten Klub-Bewerbs Europas, damit bauten sie ihren Rekord für englische Teams weiter aus. Und Liverpool hat einmal mehr tolle Nerven bewiesen, in insgesamt elf Elferschießen in diversen Bewerben hat man - eher untypisch für England - zehnmal gewonnen. Auch 2005 im Champions-League-Finale, als man Milan nach 0:3-Rückstand noch im "shootout" bezwang.
Benitez berichtete, dass seine Jungs eine besondere Affinität zum Elferschießen hätten. "Einige der Jungs lieben es, tun das jeden Tag am Ende des Trainings." Reina war schon der Held des Penaltyschiessens im FA-Cup-Finale 2006 gegen West Ham gewesen. Dass Chelsea-Keeper Petr Cech keinen Elfer parierte, kommentierte Mourinho so: "Er ist ein großartiger Tormann und hat sich aufs Elferschießen penibel vorbereitet." Chelsea kassierte die erste Niederlage seit 24 Partien, zuletzt hatte man im Jänner verloren - an der Anfield Road.
Ende der Mourinho-Ära?
"Während sich Rafael Benitez und Liverpool zur Akropolis und anderen zerbröckelnden Erinnerungsorten der Antike aufmachen, liegen Jose Mourinhos europäische Träume in Trümmern", schrieb "The Sun" am Tag danach. "In einer Nacht voll quälender Spannung an der Anfield Road hat sich Geschichte wiederholt. Ein Albtraum für Mourinho", meinte der "Daily Telegraph". "Die Hoffnungen auf vier Titel haben sich in vier Tagen in Rauch aufgelöst."
Die Folge des nicht erfüllten "Auftrags" von Klub-Eigentümer Roman Abramowitsch könnte das Ende von Mourinho an der Stamford Bridge sein. "Dies wird er Abramowitsch erklären müssen", prophezeite der "Telegraph". "Diese Niederlage könnte der Anfang vom Ende einer Ära sein, in der Chelsea versucht hat, alles aus dem Weg zu räumen", schrieb der "Guardian". Der russische Milliardär war am Dienstag nicht im Stadion.
(apa/red)
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