Mittwoch, 2. Mai 2007

Zu Doping-Affäre bei Olympia: Gandler fast vier Stunden bei IOC-Hearing in Lausanne

  • Langlauf-Chef: "Habe Gefühl, es geht ihnen um mich"
  • Rottmann will erst nach Olympia-2014-Vergabe reden

Rund 24 Stunden nach ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth hat sich nun auch Markus Gandler, der Nordische ÖSV-Direktor für Langlauf und Biathlon, in Lausanne einer Anhörung des Internationalen Olympischen Comites (IOC) gestellt. Beinahe vier Stunden präsentierte Gandler nach der lebenslangen IOC-Sperre von sechs ÖSV-Athleten für Olympia seine Sichtweise der Dinge und wurde dann auch genau zu den Umständen in und um die Olympischen Spiele 2006 in Turin/Pragelato befragt.

"Ich habe ausführlich und chronologisch alles dargelegt", meinte Gandler im Telefonat mit der APA. Er wurde noch einmal genau befragt, welche Team-Mitglieder wo geschlafen haben und musste auch viele allgemeine Fragen beantworten. Die Stimmung vor der Disziplinarkommission, die insgesamt neun Personen umfasst hat, sei sachlich und freundlich gewesen.

Wenig Glauben, so Gandlers Eindruck, habe ihm die Kommission geschenkt, als er versicherte, dass ihm "zu keiner Zeit, zu der ich dort gewohnt habe, etwas aufgefallen ist". Man sucht eine genaue Aufklärung im Bereich der Betreuer. "Ich habe das Gefühl, es geht ihnen um mich", sagte Gandler, der sich aber nicht fürchtet, "weil ich die Wahrheit sage".

Auf wenig Resonanz stieß auch Gandlers Vorschlag, dass sich sämtliche beschuldigte Athleten zu DNA-Proben bereit erklärt haben. "Ich meinte, dass das der beste Beweis wäre, aber das hat ihnen nicht getaugt", erklärte der frühere Spitzensportler. Frustriert ist Gandler trotz der schon über ein Jahr andauernden Situation um seine Mannschaften nicht. "Ich bin es gewohnt, hart zu kämpfen. Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt. Schlimm ist nur, dass die Familie Leid tragend ist, sie kommt zu kurz."

ÖSV-Generalsekretär Klaus Leistner weist mittlerweile Vorwürfe von Seiten ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth, wonach er wichtige Unterlagen 14 Monate lang in seinem Schreibtisch liegen gehabt hätte, zurück. "So etwas zu behaupten, ist zumindest unverständlich. Es ist nicht richtig und schon sehr enttäuschend", antwortete er vorsichtig, um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu schütten.

Trotz des neu aufgeflammten Konflikts ÖOC-ÖSV legte Markus Gandler großen Wert darauf, dass er jederzeit zu Gesprächen mit dem ÖOC bereit sei. "Ich setze mich mit dem Heinz Jungwirth sofort an einen Tisch, wenn er das will. Grabenkämpfe sind nicht mein Ding."

Das vom ÖSV wieder aktivierte Disziplinar-Komitee ist noch nicht einberufen worden, denn das obliegt dem erst seit Mittwoch nach einem US-Aufenthalt wieder in Österreich befindlichen Dr. Arnold Riebenbauer als Vorsitzenden. Der Richter am Bezirksgericht Spittal/Drau wurde am Mittwoch von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel über die Sachlage gebrieft und wird die Unterlagen in den nächsten Tagen sichten.

Riebenbauer agiert vom ÖSV unabhängig und hat in seinem ersten Resümee durchaus auch Kritik anklingen lassen, vor allem in Richtung medizinischer Versorgung. Von der Menge der Materialien her, könne man "in Uganda ein ganzes Spital ausstatten lassen." Das verschärfte Recht bei den Dopingbestimmungen würde aber im Strafrecht niemals standhalten, versichert er im Gespräch mit der APA. "Du bist schuld und jetzt musst du dich frei beweisen", sei quasi die IOC-Vorgangsweise. Die Ausnahme sei, wenn eine positive Dopingprobe vorliege, dann komme es zu einer Umkehr der Beweislast. "Aber es ist ja keiner der Österreicher positiv getestet worden."

Wolfgang Rottmann hat sich entgegen seiner Ankündigung vom Sonntag nun entschlossen, vorerst keine Stellung zur Turin-Causa mehr zu nehmen. "Ich habe mir das überlegt und werde bis zum 4. Juli nichts mehr sagen", sagte Rottmann zur APA. Der mittlerweile zurückgetretene Biathlon-Ex-Weltmeister möchte der österreichischen Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2014, die am 4. Juli in Guatemala vergeben wird, nicht schaden. "Ich weiß, dass ich nichts Verbotenes getan habe", meinte der bald 34-jährige Salzburger nur neuerlich.

Das gilt auch für Christian Hoffmann, der zwar nicht zu den sechs vom IOC zu einer lebenslangen verurteilten Sportlern zählt, dessen Name aber doch immer wieder mit Verdächtigungen ins Spiel gebracht wurde, obwohl er wegen Krankheit gar nicht zu den Spielen gereist war. Zwar hat das IOC zuletzt in Peking alle Vorwürfe gegen den Olympiasieger von 2002 fallen gelassen. Dennoch wurde der FIS empfohlen, zu prüfen, ob Hoffmann seinen Aufenthaltsort während der Abwesenheit auch bekannt gegeben habe.

Gegenüber der "Sportwoche" drohte Hoffmann nun gar mit einer Klage gegen das IOC. "Ich klage das IOC wegen Rufschädigung. Mich ständig in diese angebliche Dopingaffäre reinzuziehen, lasse ich mir nicht mehr länger bieten", sagte er zu der Wochenzeitschrift. Gandler dazu: "Der Hoffi hat sich fürchterlich darüber aufgeregt, dass er immer wieder erwähnt wird." Hoffmann selbst war für die APA nicht zu erreichen.


(apa/red)

2.5.2007 15:45