Neuerliches Blutbad im Irak: 42 Tote
bei Terroranschlag auf Markt in Bagdad
- Rund 80 weitere Menschen wurden verletzt
- Al Kaida: "Abzug beweist Scheitern der Amerikaner"
·Irak: Viele US-GIs finden Folter "normal"
10% geben Gewalt gegen
Zivilisten sogar schon zu
Im Irak haben Aufständische erneut ein verheerendes Blutbad auf einem Markt angerichtet. Bei der Explosion einer Autobombe im Al-Bayaa-Viertel im Süden der irakischen Hauptstadt starben nach Angaben von Polizisten und Augenzeugen mindestens 42 Menschen. Auch aus anderen Landesteilen wurden erneut Anschläge gemeldet. Anführer von Al-Kaida sowie Al-Kaida im Irak haben sich am Wochenende mit Schmähungen der Regierungen in Washington und Bagdad zu Wort gemeldet.
Polizei und Armee riegelten nach dem Anschlag in Bayaa alle umliegenden Straßen ab. Bei der Explosion einer weiteren Autobombe im Stadtteil Mansur im Westen Bagdads starben nach Polizeiangaben drei Menschen, elf Menschen wurden verletzt.
In der nordirakischen Stadt Samarra rissen zwei Selbstmordattentäter sieben Menschen mit in den Tod, darunter den Polizeidirektor der Stadt. Nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Arabiya sprengte sich ein Attentäter vor einer Polizeistation in Samarra in die Luft und tötete sechs Menschen. Acht weitere Iraker seien bei dem Anschlag verletzt worden, hieß es. Aus Polizeikreisen hieß es, ein zweiter Attentäter habe sich neben dem Konvoi von Polizeidirektor Abdul Jalil Hassun in die Luft gesprengt, der dabei getötet wurde. Zuvor hatten Aufständische in Samarra bereits zwei hochrangige Polizeioffiziere sowie einen irakischen Soldaten getötet.
Selbstmordanschlag in Abu Ghraib
Am Samstag sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor einem Rekrutierungszentrum der irakischen Streitkräfte in Abu Ghraib in die Luft. Nach Polizeiangaben wurden dabei mindestens 15 Menschen getötet und 22 verletzt. Darüber hinaus wurden mindestens 50 weitere irakische Zivilpersonen getötet oder tot aufgefunden.
Der saudische Außenminister Prinz Saud al-Feisal hat sich unterdessen besorgt über die Sicherheitslage gezeigt: "Die Situation im Irak wird doch immer schlimmer", sagte er der arabischen Tageszeitung "Al-Hayat". "Wir fürchten, dass das Land in einen Bürgerkrieg abgleitet."
Al Kaida: "Abzug beweist Scheitern der Amerikaner"
Die Nummer zwei des Terrornetzwerks Al-Kaida, Ayman al-Zawahri, wertete den vom US-Kongress beschlossenen Gesetzentwurf für einen Abzug aus dem Irak als Beweis für das Scheitern Washingtons. Damit "wird uns die Gelegenheit geraubt, die US-Truppen zu zerstören, die wir in einer historischen Falle gefangen haben", sagte Zawahri in einem Video.
Der Entwurf sei der Beweis für "das Scheitern und den Frust" der Vereinigten Staaten. Er hoffe, dass sich die US-Streitkräfte erst nach dem Verlust von bis zu 300.000 Mann aus dem Irak zurückziehen, sagte der Stellvertreter von Osama bin Laden in dem eine Stunde und sieben Minuten dauernden Video weiter. Damit solle allen, die sich an dem Krieg im Irak beteiligt hätten, "eine unvergessliche Lektion" erteilt werden. US-Präsident George W. Bush hat gegen die Vorlage der US-Demokraten sein Veto eingelegt. Der Kongress bemüht sich nun um einen Kompromiss.
Wenige Stunden vor diesem Video veröffentlichte Al-Kaida im Irak am Samstag eine Erklärung, die von ihrem zwischenzeitlich als tot gemeldeten Anführer Abu Ayyub al-Masri stammen soll. Dieser übt darin scharfe Kritik an dem sunnitischen Vizepräsidenten Tarik al-Hashemi, den er wegen dessen Regierungsbeteiligung als Verbrecher bezeichnet. Zu den bisher nicht bestätigten Berichten, Masri sei bei Kämpfen nördlich von Bagdad getötet worden, wurde in der 21 Minuten langen Aufnahme nicht direkt Stellung genommen. Es gab auch keine Hinweise darauf, wann die auf einer islamistischen Website veröffentlichte Erklärung aufgezeichnet wurde.
(apa/red)
