Erreicht Flüchtlings-Welle bald Mallorca? Immer mehr Boote landen auf Baleareninsel
- Zeitung: "Feste Station von illegalen Immigranten"
- Flüchtlinge haben aber kaum Chance auf Duldung
Illegale Zuwanderer aus Afrika scheinen die spanische Ferieninsel Mallorca als neues Einlasstor nach Europa entdeckt zu haben. In weniger als einer Woche gelangten zwei Boote mit nordafrikanischen Flüchtlinge auf die Mittelmeer-Insel. "Die Balearen werden zu einer festen Station auf den Routen der illegalen Immigration", schlug die Lokalzeitung "El Mundo/El Día de Baleares" Alarm.
Der Regierungschef der Balearen, Jaume Matas, äußerte sich besorgt. Und der Präfekt Ramon Socias wollte nicht ausschließen, dass künftig häufiger Boote mit afrikanischen Zuwanderern auf die Balearen gelangen.
Auf den Kanarischen Inseln gehört es zum Alltag, dass Boote mit dutzenden afrikanischen Flüchtlingen an Bord vor den Küsten gesichtet werden. Zwar ging der Zustrom in den vergangenen Monaten deutlich zurück, nachdem Spanien die Überwachung des Seegebiets verstärkte und dazu überging, die Ankömmlinge möglichst rasch in ihre Heimatländer abzuschieben. Zum Stillstand kam die Zuwanderung aber nicht. Im vorigen Jahr gelangten 31.000 Flüchtlinge auf die Kanaren.
Auf Mallorca und den anderen Balearen war das Phänomen der illegalen Immigration per Boot bis vor kurzem praktisch unbekannt. Das erste Flüchtlingsschiff wurde im Herbst 2006 auf Menorca registriert. Seither gelangten drei weitere Boote auf die größere Nachbarinsel Mallorca. Dabei ist Mallorca von Nordafrika nur etwa 300 Kilometer entfernt, während die Flüchtlinge, die aus Westafrika auf die Kanaren übersetzen, oft mehr als 1.000 Kilometer über den Atlantik zurücklegen.
Dennoch gilt es als wenig wahrscheinlich, dass Mallorca einen ähnlichen Zustrom wie die Kanaren erleben wird. "Illegale" aus den nordafrikanischen Staaten müssen nämlich damit rechnen, nach ihrer Ankunft auf den Balearen in ihre Heimat abgeschoben zu werden, weil Spanien Rückführungsabkommen mit Marokko und Algerien geschlossen hat.
(APA)
