Gedenkfeier im KZ Mauthausen: Erinnerung an inhaftierte Künstler und Wissenschaftler
- Köhlmeier thematisierte Schwierigkeit des Erzählens
- Rund 9.000 Menschen nahmen an Veranstalung teil

Die Erinnerung an die damals inhaftierten Künstler und Wissenschaftler ist im Mittelpunkt der diesjährigen Gedenkfeier im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen gestanden. Der Schriftsteller und Musiker Michael Köhlmeier machte in seiner Gedenkrede auf die schwierige Rolle eines Erzählers an diesem Ort aufmerksam. Rund 9.000 Menschen nahmen an der Veranstaltung teil.
Um den Begriff des "Erzählens" mit all seinen problematischen Ausformungen und um die Sensibilität im Umgang mit Worten ging es in Köhlmeiers Rede. Seine Mutter sei vor Hitlers Machtergreifung Sekretärin eines jüdischen Notars in Coburg gewesen. Sie habe gesehen, wie dieser zusammen mit anderen Juden durch die Stadt getrieben wurde. Davon habe sie ihm immer wieder erzählt, so der Vorarlberger Romancier.
In Mauthausen sehe sich der Erzähler aber vor einem Dilemma: Zum einen dürfe er nichts verschweigen. Wenn er aber erzähle, begehe er "im harmlosesten Fall eine grobe Geschmacklosigkeit". Eine Folge davon sei, dass fast ausschließlich von den Tätern gesprochen worden sei, erklärte Köhlmeier.
Noch viel schwerer sei es jedoch von den Opfern zu berichten. In dieser Situation sei jedes Wort "zugleich ein Zuwenig und ein Zuviel". "Aber wir haben nur Worte, Worte, Worte", betonte der Autor. "Und wenn sich einer für jedes Wort schämen muss, so stehen ihm doch wieder nur Worte zur Verfügung, wenn er um Verzeihung bitten will."
Zahlreiche Überlebende und internationale Delegationen nahmen an der Gedenkfeier teil. Hochrangige Vertreter der Kirchen und Politiker - an ihrer Spitze Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, die in ihrer Begrüßungsansprache auf die Notwendigkeit des National- und Entschädigungsfonds sowie der Kunstrestitution hinwies, und Innenminister Günther Platter - wohnten der Veranstaltung bei. Erstmals fand ein internationaler Jugendmarsch statt, der die Teilnehmer von der Ortschaft Mauthausen zur Gedenkstätte führte. (apa/red)
