Dienstag, 24. April 2007

Mit 5-Punkte-Programm zum Benzinsparen: Bio-Ethanol soll Spritverbrauch reduzieren

  • Bis 2010 sollen 100 Tankstellen Bio-Ethanol anbieten
  • Erdöl bleibt aber weiterhin wichtiger Energielieferant

Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll (V) will mit einem 5-Punkte-Programm den Benzinverbrauch in Österreich reduzieren. Das Zauberwort dazu lautet "Superethanol" (E85), ein Treibstoff, der zu 85 Prozent aus Biomasse und 15 Prozent Benzin hergestellt wird. Dessen entscheidender Vorteil: Er ist CO2-neutral, hilft also mit, den Klimawandel zu bekämpfen. Laut einer Studie der US-Universität Stanford steigt durch Superethanol allerdings die Ozonbelastung.

Laut Pröll ist die Zugabe von Bioethanol ein wesentlicher Mosaikstein für eine nachhaltige Energiewirtschaft und gut für die landwirtschaftlichen Einkommen: "Es ist unverzichtbar, auf derartige technologische Entwicklungen zu reagieren", so der Minister.

CO2-Aussstoß steigt stetig an
Wie wichtig Umweltinitiativen im Verkehr sind, zeigt ein Blick in die Statistik: Im Verkehrssektor ist der CO2-Ausstoß zwischen 1990 und 2005 um 93 Prozent gestiegen. Minister Pröll will dem nun mit fünf Punkten entgegenwirken: Steuerliche Förderungen (wobei eine NoVA-Senkung vom Tisch ist), E85-Fahrzeuge, E85-Tankstellen, EU-einheitliche Rahmenbedingungen und eine nachhaltigen Produktion. Ganz CO2-neutral ist natürlich auch E85 nicht. Denn zur Erzeugung von Getreide und Zuckerrüben, die bevorzugt für Bioethanol verwendet werden, müssen Dünger, Pflanzenschutzmittel, Traktortreibstoff etc. produziert werden.

Gut für die Landwirtschaft?
Zu einer Intensivierung der Landwirtschaft werde es durch den Bioethanol-Einsatz aber nicht kommen, versicherte Landwirtschaftskammerchef Rudolf Schwarzböck. Vielmehr könnte nun jene Überproduktion verwendet werden, die ohnehin durch strengere EU-Vorschriften nicht mehr absetzbar wären. Auch müsste nicht mehr Dünger eingesetzt werden, da Energiegetreide weniger Eiweiß enthalte als Brotgetreide. Mit dem Einstieg ins Energiegeschäft sei es der Landwirtschaft jedenfalls gelungen, den "beachtlichen Schrumpfungsprozess" zu stoppen.

Die Partner
Partner beim 5-Punkte-Programm sind der Mineralölkonzern OMV, der Zuckerhersteller Agrana, die Landwirtschaftskammer, Raiffeisen, die Rübenbauern sowie Ford, Volvo und General Motors. Diese Hersteller bieten bereits E85-Fahrzeuge an. Da diese etwas teuerer als Benziner sind, wird es bei den drei Herstellern einen Preisnachlass geben. Alle drei Autobauer verweisen auf ihre Erfahrungen in Schweden, wo der E85-Treibstoff bereits flächendeckend angeboten und auch nachgefragt werde. Insbesondere Firmenflotten würden auf den Biotreibstoff setzen.

Aller Anfang ist schwer
Der Einstieg in das Bioethanol-Zeitalter erfolgt am 1. Oktober 2007. Allerdings nur zu einem sehr geringen Anteil. Der größte Umweltnutzen wird derzeit bei einem Ethanolanteil von 85 Prozent erzielt, den momentan aber nur spezielle Ottomotoren vertragen. Eine Beimischung bis fünf Prozent ist hingegen mit herkömmlichen Motoren möglich.

Tankstellennetz
Bis Oktober wollen die OMV und die Lagerhäuser 15 E85-Tankstellen anbieten, bis 2010 sollen es 100 sein. Dass E85-Autobesitzer plötzlich ohne Tankstelle dastehen, ist nicht zu befürchten, da sich die Autos auch mit normalem Benzin betreiben lassen. Die Spritkosten werden sich an denen von Benzin orientieren, so OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer.

Erdöl weiter wichtig
Die Abhängigkeit vom Erdöl wird zwar durch den Einsatz von Bioethanol etwas reduziert, eine gänzliche Versorgung von Biomasse für die Ethanolproduktion durch die österreichische Landwirtschaft ist aber nicht möglich, so Pröll. Der Hunger nach alternativen Treibstoffen stellt jedoch schon jetzt die ärmeren Länder vor einige Probleme. So meldete kürzlich China, dass die hohe Spritproduktion die Mais-Preise nach oben treibt. Der größte Exporteur für Bioethanol ist Brasilien, gefolgt von den USA und China. (APA/red)

24.4.2007 14:01