Dienstag, 24. April 2007

Jährlich weltweit 1,2 Mio. Verkehrstote: Schumacher und Blair fordern UN-Konferenz

  • Nach Aids zweithäufigste Todesursache bei Jungen
  • WHO: Hohe Todesrate wegen mangelndem Schutz

Angesichts von jährlich 1,2 Millionen Toten bei Verkehrsunfällen haben der ehemalige deutsche Rennfahrer Michael Schumacher und der britische Premierminister Tony Blair eine UN-Konferenz zu dem Thema gefordert. Die internationale Gemeinschaft müsse angesichts der "schrecklichen Verschwendung von Leben" aufwachen, forderte Schumacher in London anlässlich des Beginns der ersten UN-Woche zur Verkehrssicherheit.

Blair wies darauf hin, dass Verkehrsunfälle nach Aids die zweithäufigste Todesursache bei jungen Menschen seien. Im Mittelpunkt der UN-Woche sollen die jungen Menschen sowie die Eigenverantwortlichkeit für Verkehrssicherheit stehen.

Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen im Jahr 2002 weltweit 1,2 Millionen Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Täglich starben 1.000 Menschen unter 25 Jahren im Straßenverkehr. Die durch Verkehrsunfälle verursachten Kosten betragen nach UN-Schätzungen jährlich 518 Milliarden US-Dollar (382 Milliarden Euro). In Entwicklungsländern waren die Verluste demnach insgesamt höher als die Entwicklungshilfe, die den Staaten zufloss.

"Es ist klar, dass Verletzungen im Straßenverkehr einen gravierenden Einfluss auf die Entwicklungsziele haben, die wir anstreben", sagte Blair. "Ich empfehle daher, dass die UNO ein weltweites Treffen zur Straßensicherheit auf Ministerebene organisiert." Schumacher hob hervor, Verkehrsunfälle führten zu ähnlich vielen Opfern wie Malaria oder Tuberkulose. Die UNO solle diesen "zu vermeidenden Verlust von Leben" daher mit einer Konferenz angehen.

In zahlreichen Ländern, auch in Österreich, soll diese Woche mit Veranstaltungen zur Verkehrssicherheit auf die Problematik aufmerksam gemacht werden. Mit dem Motto "Verkehrssicherheit ist kein Unfall" will die WHO vor allem die Eigenverantwortung der Menschen für ihren Schutz im Straßenverkehr anmahnen.

Die Gründe für die hohe Todesrate liegen laut WHO vor allem im mangelnden Schutz: In Asien, wo Motorräder oft den Familienwagen ersetzten, tragen demnach nur wenige Menschen Helme. Das liege neben den hohen Preisen auch daran, dass es keine Helme für Kinder gebe. Neben den fehlenden Helmen trügen zudem zu hohe Geschwindigkeiten, riskantes Fahrverhalten und Alkohol dazu bei, dass viele Verkehrsunfälle tödlich endeten. Allein durch das Tragen von Helmen könne das Todesrisiko aber um 40 Prozent sinken, erklärte die Weltgesundheitsorganisation. Das Risiko schwerer Verletzungen könne durch Schutzhelme um 72 Prozent reduziert werden.

Besonders gefährdet sind laut WHO die jungen Verkehrsteilnehmer: Alle 90 Sekunden werde irgendwo auf der Welt ein Mensch unter 25 Jahren bei einem Verkehrsunfall getötet, und jedes Jahr seien es fast 400.000 junge Menschen erklärte die Organisation. Bei einer Jugendversammlung in Genf sollten Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit beraten und eine entsprechende Erklärung verfasst werden.

Dem WHO-Bericht zufolge wurden 90 Prozent der Verkehrstoten unter 25 Jahren in Ländern mit mittlerem Einkommen in Asien und Afrika verzeichnet. Die Gefahr, im Straßenverkehr zu sterben, sei dort größer als das Todesrisiko durch Aids. Viele der getöteten jungen Menschen sind den Angaben zufolge keine Autofahrer, sondern Fußgänger, Fahrrad- und Motorradfahrer sowie Passagiere von billigen Transportfahrzeugen. In den reicheren Ländern sind die Verkehrstoten laut WHO meist Fahrer von vierrädrigen Fahrzeugen.

(apa/red)

24.4.2007 08:06