Dienstag, 24. April 2007

Schlafapnoe bei Frauen unterdiagnostiziert:
Gefährliches Schnarchen seltener erkannt

  • Symptome und Krankheitsbild bei Frauen anders
  • Vorwiegend männliche Schnarcher kommen ins Labor

Schlafatemstörungen: Frauen sind anders. Soeben veröffentlichte Ergebnisse einer Studie über Schlafapnoe, die in Wien mit 3.521 Patienten durchgeführt wurde, weist deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede bei Krankheitsbild, Symptomen und Diagnosequote nach. Schlafapnoe wird demnach bei Frauen signifikant weniger erkannt und behandelt als bei Männern. Insgesamt dürften von diesen Problemen bis zu 600.000 Österreicher betroffen sein.

Schlafatemstörungen, wie das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, sind recht häufig. Charakteristika der Schlafapnoe sind Schnarchen mit vorübergehenden Atemstillständen, in schweren Fällen treten die Atemstillstandsphasen bis zu 30 Mal und mehr pro Stunde auf. Die Atempause wird im Gehirn registriert und durch eine Weckreaktion (Arousal) überwunden. Diese Arousalreaktion ist lebenswichtig und bewahrt vor dem Ersticken, führt aber auf der anderen Seite dazu, dass der Schlaf viel zu wenig erholsam ist. Die Häufigkeit der Schlafapnoe liegt bei vier bis sieben Prozent der Allgemeinbevölkerung, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.

Frauen unterdiagnostiziert
Zwischen Beobachtungen und wirklich erfolgten Diagnosen zeigt sich allerdings ein eklatanter Unterschied. So haben Studien ergeben, dass die Geschlechterverteilung bei dem Leiden bei 2:1 bis 4:1 (Männer:Frauen) liegen dürfte. Doch im Schlaflabor, wo die Abklärung erfolgen sollte, sieht die Situation ganz anders aus. "Hier liegt das Verhältnis weit darüber, je nach Literaturangabe zwischen 6:1 und 12:1 (Männer:Frauen, Anm.). Das bedeutet, dass Männer häufiger zur Abklärung in ein Schlaflabor zugewiesen werden als Frauen" erläuterte Studienleiter Arschang Valipour, Lungenfacharzt, Leiter des Schlaflabors an der 1. Lungenabteilung am Wiener Otto Wagner Spital und Mitglied des Exekutivkomitees der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie .

Mangel an Aufmerksamkeit
Zwei wichtige Gründe dafür sind - so Valipour - einerseits Unterschiede im Zuweisungsverhalten der Ärzte, da Frauen andere Symptome aufweisen als Männer, andererseits der Mangel an Aufmerksamkeit für die Symptome einer Frau. Oft ist es schlichtweg die Ignoranz des Bettpartners.

"Frauensymptome"
In der zwischen 1996 und 2004 im Schlaflabor des Krankenhauses Hietzing durchgeführten klinischen Studie wurde jedenfalls an 3.521 Patienten, davon 782 Frauen (22 Prozent), untersucht, ob Frauen und Männer unterschiedliche Symptome bzw. eine unterschiedliche Ausprägung von Symptomen aufweisen. Es zeigten sich signifikante Unterschiede in allen Symptomskalen: Konkret klagten Männer über "Verschlechterung des Schnarchens am Rücken" und "Verschlechterung des Schnarchen nach Alkoholkonsum", während Frauen mit nachgewiesener Schlafatemstörung über häufige Tagesmüdigkeit und Hypertonie (Bluthochdruck) berichteten. Signifikant häufiger als Männer leiden Frauen unter Durchschlafstörungen (Insomnie), Albträumen, unruhigen Beinen in der Nacht, Depressionen, verzögertem Einschlafen, Herzklopfen, häufigeren Wachzeiten in der Nacht, Miktionsfrequenz in der Nacht (Urinieren) und Mangel an sexuellem Interesse. Der Experte: "Frauen mit Schlafapnoe haben möglicherweise höheren psychischen Leidensdruck."

Ursachen erkennen
Valipour: "Wenn beispielsweise eine übergewichtige Frau Symptome einer Depression aufweist, wird oft eine medikamentöse Therapie eingeleitet, um die Depression zu behandeln. An eine Schlafapnoe als dahinterliegende Ursache bzw. verstärkende Erkrankung wird nicht gedacht und diese daher auch nicht abgeklärt. Ähnliches gilt für alle anderen Symptome. Daher wäre eine großzügige Zuweisung (ins Schlaflabor, Anm.) zur Abklärung bei übergewichtigen Frauen mit Schnarchen wünschenswert." (apa)

24.4.2007 10:28