Mittwoch, 25. April 2007

Showdown: Wahlkrimi in Rouge & Noir

  • Moderne Mutter gegen klassischen Patriarchen.

Foto-Finish. Ségolène Royal oder Nicolas Sarkozy: In zwei Wochen entscheidet sich Frankreichs Zukunft.
Analyse: Justizministerin Berger und Ex-Innenminister Strasser über ihre Begegnungen mit den Kandidaten.

Ihre Wahl wäre ein Wunder. Der Mut der Verzweiflung schwingt auch in Ségolène Royals Stimme mit. „Ich bin eine freie Frau“, sagt sie, aber Kampfgeist und Esprit fehlen in den Gesten. Die 53-Jährige wirkt geschlagen, bevor der wahre Kampf beginnt: die Stichwahl am 6. Mai zwischen ihr und Nicolas Sarkozy. Mehr als fünf Prozentpunkte lag sie bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl hinter ihm. Ebenso viel Rückstand prognostizieren erste Umfragen nach der Stichwahl.

Mit 25,9 Prozent – exakt den Werten Royals – zog ihr politischen Ziehvater François Mitterrand 1981 auch als Zweitplatzierter in die Stichwahl ums höchste Amt – und gewann. Doch das ist ein Vierteljahrhundert her, in dem sich vieles änderte, etwa die Kommunistische Partei Frankreichs. Deren Kandidat kam damals noch auf 15 Prozent in der ersten Runde und schwor sein Wahlvolk bei der Stichwahl auf den linken Mitterrand ein. Heute kommen alle Kandidaten der Linksparteien nur mehr auf insgesamt 36 Prozent. Um gewinnen zu können, bräuchte Ségolène also mehr als die Hälfte der Stimmen jener 6,8 Millionen Franzosen, die im ersten Wahlgang für den Zentrumskandidaten François Bayrou stimmten. Derzeit wollen dies nur ein Drittel tun, Bayrou hat noch keine Empfehlung abgegeben.

Sarkozy, dessen voller Name, Nicolas Paul Stéphane Sárközy de Nagy-Bocsa, seine ungarischen Wurzeln freilegt, ist also klarer Favorit. Auch wenn der rechtsradikale Front-National-Chef Jean-Marie Le Pen ihn als nicht französisch genug brandmarken wollte, liefen die Wähler von rechtsaußen in Scharen zum ehemaligen Innenminister über. Le Pen musste eine empfindliche Wahlniederlage einstecken. Eine ideologische Bekehrung Frankreichs hat Sarkozy aber nicht geschafft. Der Neoliberale, der ein Ministerium für französische Identität schaffen will und mit harten Ansagen zu Immigranten wahlkämpfte, dürfte Le Pen nur dadurch besiegt haben, dass er mit seinen Parolen siegte.

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25.4.2007 17:05