Mittwoch, 25. April 2007

Mattersburg: Burgenland goes Europe

Für den Dorfklub mit zehn Burgenländern im Kader und Schmalspur-Budget ist die UEFA-Cup-Teilnahme zum Greifen nahe.

Die Burgenländer sind ein Volk von Pendlern, und am 1. Mai spielt’s wieder Fußball-Wandertag. Mindestens 50 Busse werden nebst Hunderten Privatautos gen Wien ziehen, dazu gesellen sich Tausende Exil-Burgenländer aus der Bundeshauptstadt. Bis zu 9.000 Mattersburg-Fans werden beim Cupfinale erwartet. Der Gegner ist Austria Wien, Schauplatz ist das Hanappi-Stadion, und wie auch bei Wiener Derbys werden in Hütteldorf die „Grünen“ in der Überzahl sein: Die Westtribüne ist exklusiv für die Anhänger des burgenländischen Dorfklubs reserviert. Dass ausgerechnet die Austrianer die Tribüne der Rapid-Ultras besetzen, wäre ein Sakrileg gewesen, mit Mattersburg, dem kleinen Bruder des Hauptstadtklubs, kann man leben. Auch wenn der Dorfverein sein Vorbild zumindest in dieser Saison längst überrundet hat.

Burgenland-Ballesterer. Die Burgenländer rangieren sechs Runden vor Schluss hinter Meister Red Bull Salzburg auf Platz zwei, neun Punkte vor Rapid, elf Punkte vor der Austria. Ein Europacupplatz ist somit praktisch fix, für die Wiener Großvereine ist der UEFA-Cup-Zug vielleicht schon abgefahren. Und das ist in vielerlei Hinsicht sensationell: Der SV Mattersburg verfügt mit einem Etat von rund 6,5 Millionen Euro nur über knapp die Hälfte des Budgets von Rapid und über weniger als ein Drittel von jenem der Austria. Und setzt, im Gegensatz zu den Wiener Klubs, konsequent auf Kicker mit Lokalkolorit: Während am letzten Wochenende etwa die Austria gegen den FC Superfund keinen einzigen Wiener aufs Feld schickte und Rapid bei Sturm gerade vier Eigenbau-Kicker einsetzte, liefen beim jüngsten 5:1-Sieg von Mattersburg gegen den GAK mit Mörz, Kühbauer, Wagner, Borenitsch, Schmidt, Bürger und Fuchs gleich sieben echte Burgenländer auf – und schossen vier der fünf Tore. Selbst SVM-Coach Franz Lederer wohnt in Steinwurfweite vom Pappelstadion, Tormann-Coach Leo Martinschitz ist eine burgenländische Goalie-Legende, Sportdirektor Ernst Simmel kommt aus der Nachbargemeinde Rohrbach. Ebenso wie Shootingstar Christian Fuchs, Neo-Nationalspieler, und Amateure-Goalie Roland Gerdenitsch, der gegen Rapid mit „zarten“ 28 ein unerwartetes Liga-Debüt feierte.

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25.4.2007 16:22