Deutschlands letzter Universalgelehrter tot: Carl Friedrich v. Weizsäcker gestorben
- Wissenschaftler starb mit 94 Jahren in Bayern

Der Physiker und Philosoph Carl-Friedrich von Weizsäcker ist tot. Von Weizsäcker starb im Alter von 94 Jahren nach langer und schwerer Krankheit im bayerischen Starnberg, wie der Fernsehsender n-tv unter Berufung auf Angehörige berichtete. Der mit Auszeichnungen und Ehrungen überhäufte Kieler Diplomatensohn galt einigen Forschern als der letzte deutsche Universalgelehrte. In den Zeiten der Ost-West-Konfrontation wurde die Kriegsverhütung zu seinem zentralen Engagement.
Carl-Friedrich von Weizsäcker hatte seit 1957 eine Professur für Philosophie an der Universität Hamburg inne. Er beschäftigte sich mit wissenschaftstheoretisch-physikalischen Fragestellungen besonders in Hinblick auf die begrifflichen Grundlagen der Quantenphysik. 1970 gründete er das Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt, das er bis 1980 gemeinsam mit dem Philosophen Jürgen Habermas leitete. Die Gefahr eines Atomkriegs, die Umweltzerstörung und der Nord-Süd-Konflikt standen im Mittelpunkt der Forschungsarbeit des Instituts.
Schon früh beschäftigte sich der Physiker mit naturphilosophischen und politischen Fragen. Kein anderer Wissenschaftler hat sich als Zeit-Diagnostiker, Mahner und Vordenker der "Weltinnenpolitik" durch Jahrzehnte im öffentlichen Leben der Bundesrepublik vergleichbare Autorität erworben. Vor dem Hintergrund der Entdeckung der Uranspaltung und der damit verbundenen Möglichkeit, Atombomben zu bauen, lautete sein Leitmotiv: Die Wissenschaft trägt Verantwortung für die eigenen Ergebnisse - auch wenn deren Folgen nicht gewollt und nicht einmal absehbar sind.
Eine von der SPD und der FDP angetragene Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten lehnte der ältere Bruder des späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (CDU) mit der Begründung ab, er wolle kein "Ersatzkandidat" gegen Karl Carstens (CDU) sein.
(apa/red)
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