Siemens-Chef Kleinfeld geht: Vertrag läuft
im Herbst aus und wird nicht verlängert
- Schmiergeldskandal hat Elektro-Konzern fest im Griff

Die Korruptionsaffäre beim deutschen Elektronikkonzern Siemens fordert ein nächstes Opfer: Nun hat nun auch überraschend Vorstandschef Klaus Kleinfeld das Handtuch geworfen. Er verlässt den Konzern spätestens im Herbst. "In diesen Zeiten braucht das Unternehmen Klarheit über seine Führung", sagte Kleinfeld. Der Manager, ein Ziehsohn des erst vor wenigen Tagen zurückgetretenen Aufsichtsratschefs Heinrich von Pierer, stand seit Jänner 2005 an der Spitze des deutschen Paradekonzerns.
Da maßgebliche Aufsichtsräte dafür plädierten, die Abstimmung über eine Vertragsverlängerung zu verschieben, entschied er sich, seinen Hut zu nehmen. Im Konzern geht man derzeit davon aus, dass der Vorstandsvorsitzende seinen bis 30. September 2007 laufenden Vertrag noch erfüllen wird.
Über einen Nachfolger wurde noch nicht entschieden. Im Gespräch sind unter anderem Linde-Chef Wolfgang Reitzle, der aber laut Linde nicht zur Verfügung steht. Trotz des Dementis gingen die Spekulationen um Reitzle aber weiter. Dem früheren DaimlerChrysler-Manager Wolfgang Bernhard, der von der "Süddeutschen Zeitung" ins Gespräch gebracht worden war, gaben Branchenkreise dagegen keine Chance. Es gilt als sicher, dass die IG Metall eine Berufung Bernhards nicht mittragen würde.
Die Führungskrise bei Deutschlands größtem Elektrokonzern erreicht mit Kleinfelds Rückzug nur wenige Tage nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer einen neuen Höhepunkt. Der künftige Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme dankte Kleinfeld für seine Arbeit. "Siemens steht heute wirtschaftlich besser da, denn je."
Unter Kleinfelds Führung sei das Unternehmen strategisch neu ausgerichtet worden. Außerdem betonte er, dass die bisherigen unabhängigen Untersuchungen in den Korruptionsaffären keine Anhaltspunkte für ein persönliches Fehlverhalten oder eine Mitwisserschaft Kleinfelds im Zusammenhang mit den Affären ergeben haben.
Siemens wird seit Monaten von einem Schmiergeldskandal erschüttert. Über mehrere Konten weltweit - unter anderem auch in Österreich - sollen 420 Mio. Euro Bestechungsgelder verteilt worden sein. Kleinfeld hatte in der Schmiergeldaffäre bisher eine weiße Weste.
In Branchenkreisen wurde aber spekuliert, dass Siemens möglicherweise als Konzession an die mächtige US-Börsenaufsicht SEC auf einen kompletten Neuanfang setzen könnte. Schließlich seien mögliche Schmiergeldzahlungen auch noch zu Beginn von Kleinfelds Amtszeit als Vorstandsvorsitzender weiter gelaufen.
(apa/red)

