Fußball zum Einschlafen: Meisterschaften durch Finanz-Giganten immer langweiliger
- Europas Ligen werden von wenigen Klubs beherrscht
- Österreich: Salzburg unbezwingbarer Serienmeister?
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Der europäische Fußball wird immer langweiliger. In vielen Ligen ist der Kampf um den Meistertitel schon seit Jahren nur noch eine Angelegenheit von drei bis vier Vereinen, in besonders krassen Fällen wie Frankreich hat ein Klub praktisch ein Abonnement auf den Titel. Auch in Österreich ist die Lage düster: Sollte Dietrich Mateschitz sein Interesse am runden Leder nicht urplötzlich verlieren, wird Red Bull Salzburg auf Jahre hinaus nicht zu bezwingen sein. Die Konsequenzen könnten dramatisch, aber auch heilsam sein.
Tatort T-Mobile-Bundesliga: Sechs Runden vor Schluss ist alles klar, Salzburg hat 18 Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger Mattersburg, die Meisterfeier ist schon vorbereitet. Tatsächlich ist das Titelrennen schon seit der Winterpause uninteressant, war die Bullenherde der Konkurrenz doch schon im Herbst um zehn Punkte enteilt. Dem traurigen Rest bleibt nur die Rauferei um die verbleibenden internationalen Krümel (UEFA-Cup) bzw. der Kampf gegen den Abstieg.
Schaffenspause der Bayern
Ein Blick über die Grenzen könnte so manchen Fan zuerst wehmütig machen. In Deutschland haben vier Runden vor Schluss mit Schalke, Werder und Stuttgart noch drei Vereine realistische Chancen auf den Titel, die sonst so dominanten Bayern sind überraschenderweise nicht dabei. Doch das Archiv zeigt ein ganz anderes Bild: In den vergangenen acht Saisonen wurden die Münchner sechs Mal Meister. Dadurch hatte der Verein praktisch eine Dauerkarte für die Champions League, was sich wiederum positiv auf die Finanzlage auswirkt. Dieser Kreislauf kann auch von einer weniger erfolgreichen Saison wie heuer kaum durchbrochen werden. Deswegen ist damit zu rechnen, dass der "FC Hollywood" die Liga weiterhin dominieren wird.
Quartett beherrscht Premier League
Noch krasser ist die Lage in England: Hier hat sich innerhalb der Premier League eine "Mini-Liga" etabliert, bestehend aus Chelsea, Manchester United, Liverpool und Arsenal. In den letzten vier Saisonen waren diese Klubs immer unter den Top 5 der Abschlusstabelle, auch heuer wird sich daran nichts ändern. Wiederum ist das wirtschaftliche Gefälle ausschlaggebend, aus heutiger Sicht ist ein Meister, der nicht aus diesem Quartett stammt, undenkbar.
Meisterrennen in Italien entschieden
Auch in Italien hat sich bis zur letzten Saison ein ähnliches Bild geboten: AC Milan, Juventus Turin, AS Roma und Inter Mailand beherrschten die Liga. Mit dem Korruptionsskandal wurde die Serie A kurzfristig kräftig durchgeschüttelt, Zwangsabstiege und Punkteabzüge machten die heurige Saison dafür zu einem Solo für Inter. Mit dem Wiederaufstieg von Juve dürften sich die alten Verhältnisse demnächst aber wieder herstellen, vorausgesetzt, es kommt nicht wieder zu diversen Strafmaßnahmen. In der Serie A ging es heuer übrigens ähnlich spannend wie in Österreich zu: Inter steht fünf Runden vor Schluss als Meister fest.
Gähnen in ganz Europa
Der langweilige Fußballalltag ist ein europaweites Problem, unabhängig von Größe und Strahlkraft der jeweiligen Liga: In Schottland machen sich die beiden Glasgower Vereine Celtic und Rangers den Titel schon seit über zehn Jahren untereinander aus, ein zweiter Platz für einen "Eindringling" wie Hearts of Midlothian in der letzten Saison gilt als sportliches Erdbeben. Heuer steht Celtic vier Runden vor Schluss als Meister fest, Vizemeister werden natürlich die Rangers. Ebenso öde geht es in Frankreich zu: Olympique Lyon hat fünf Runden vor Schluss 18 Punkte Vorsprung auf Platz zwei, holt damit den sechsten Titel in Folge. Letzte Saison betrug der Abstand zum Zweitplatzierten am Ende 15 Zähler, im Jahr davor waren es 12.
Sinkendes Zuschauerinteresse?
Eine mögliche Konsequenz aus dieser Entwicklung könnte nachlassendes Interesse am Publikumssport Nummer eins sein. Wenn ein Großteil der Klubs permanent im Niemandsland zwischen Abstiegszone und Tabellenspitze herumkrebst, werden sich die Zuschauer der betroffenen Vereine über kurz oder lang wohl andere Freizeitbeschäftigungen suchen. Weniger Fans bedeuten langfristig geringeres Medien- und Sponsoreninteresse, also sinkende Einnahmen. Die gute Nachricht: Am Schluss dieser Entwicklung könnte ein Ende der Preisspirale bestehend aus astronomischen Ablösesummen und irrsinnigen Spielergehältern stehen - und dadurch vielleicht wieder ausgeglichenere Meisterschaften.
(red/mante)
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