Samstag, 28. April 2007

Red Bull Salzburg gelingt meisterhafte Premiere: Erster Titel in der Ära Mateschitz!

  • Nun will Startruppe & "Werkself" in Champions League
  • Zwei Jahre nach Übernahme klappt's mit dem Titel

Etwas mehr als zwei Jahre nach der Übernahme der Salzburger Austria darf Dietrich Mateschitz mit dem Red-Bull-Konzern seinen ersten Fußball-Titel feiern. Red Bull Salzburg gewann unter der Führung des Star-Trainer-Duos Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus die T-Mobile-Bundesliga 2006/07 in überlegener Manier. Das deklarierte Ziel heißt nun Champions-League-Gruppenphase.

Mit Kickern wie Alexander Zickler, Niko Kovac, Thomas Linke oder Johan Vonlanthen war man der rot-weiß-roten Konkurrenz klar überlegen und steht (2:2 gegen den entthronten Meister Austria Wien) bereits fünf Runden vor Schluss als Champion fest. Für Red Bull und Salzburg ist es in gewissem Maße ein "Double", denn Anfang April hatten auch die Eishockey-Spieler der "Bullen" ihren Premieren-Titel eingefahren. Damit hat Red Bull, für das jahrelang das Sponsoring von Teamsportarten tabu war, seine ersten Mannschaftstitel eingefahren.

Der Einstieg des Energydrink-Giganten in den heimischen Fußball war am 6. April 2005 eine echte "Bombe". Mateschitz bezeichnete den für viele Experten überraschenden Schritt als "nach der Formel 1 zweites Standbein in seinem Sportengagement mit internationaler Reichweite". Mateschitz stellte von Anfang an klar, dass er auch in diesem Fall keine halben Sachen machen werde. Deutschlands "Fußballkaiser" Franz Beckenbauer wurde als "Freund und Berater" des Klubs präsentiert, weitere prominente Namen folgten seitdem und werden weiterhin folgen.

Das eben eröffnete Trainingszentrum in Salzburg-Taxham, ein wahres Schmuckkästchen mit insgesamt 40.000 Quadratmetern Fläche, ist ein weiteres klares Zeichen, wie ernst es Red Bull mit dem Fußball-Engagement meint. Genauso wie der Kauf der New York MetroStars, die seit März 2006 Red Bull New York heißen.

Der Anfang in Salzburg war nicht leicht. Einerseits musste man in den ersten Wochen nach der Verkündigung des Einstiegs um den Klassenerhalt zittern, andererseits machten erzürnte Fans des Vorgängerklubs SV Austria Salzburg gegen den Verlust der Klubfarben Violett-Weiß hin zu den Red-Bull-Farben mobil.

In der ersten "echten" Red-Bull-Saison schwang Kurt Jara als Cheftrainer das Zepter. Man verschlief zwar den Saisonstart, spielte sich jedoch im Frühjahr sogar noch Richtung Titelkampf und belegte schließlich hinter der Wiener Austria Rang zwei. Die Ehe Red Bull/Jara endete im Sommer 2006 im Krach, der Tiroler wurde fristlos entlassen. Der Prozess, in dem sich Jara gegen den Vorwurf von Mateschitz, es habe "Ungereimtheiten bei Spielertransfers" gegeben, wehrt, läuft nach wie vor.

Das i-Tüpfelchen des weiteren Aufrüstens im Sommer 2006 war die Verpflichtung der Starcoaches Trapattoni und Matthäus, kurz "Traphäus" genannt. Doch auch mit ihnen blieb die Tür zur Gruppenphase der Champions League verschlossen, in der letzten Quali-Runde blieb man gegen Valencia auf der Strecke. Die Blackburn Rovers sorgten daraufhin dafür, dass auch das "Trostpflaster" UEFA-Cup-Gruppenphase nicht erreicht wurde.

International lief es also nicht nach Wunsch, in der Bundesliga 2006/07 hatte man hingegen keinerlei Probleme. Das angestrebte Double blieb jedoch aus, im Cup-Halbfinale musste man sich daheim Mattersburg geschlagen geben.

An die großen Erfolge von Vorgängerklub Austria Salzburg sind die "Bullen" natürlich noch nicht herangekommen. Unter Präsident Rudi Quehenberger und Trainer Otto Baric eroberten die "Violetten" 1994, 1995 und 1997 den Meistertitel, in der Saison 1993/94 erreichte man das UEFA-Cup-Finale, in dem man Inter Mailand zweimal 0:1 unterlag. In der folgenden Saison spielten die Salzburger dann in der Gruppenphase der Champions League mit.

Die Austria, ursprünglich 1933 gegründet, wurde im Herbst 2005 neu gegründet, seit der Saison 2006/07 läuft wieder der Spielbetrieb. Der Weg zurück in höhere Sphären funktioniert vorerst nach Plan, das aus früheren Landesliga- und Regionalliga-Kickern gebildete Team der "Violetten" führt die Tabelle der 2. Klasse Nord A problemlos und überlegen an.

Das Publikumsinteresse ist verhältnismäßig riesig (Schnitt rund 1.000 Zuschauer), denn die von Red Bull "ausgemusterten" Austria-Fans konzentrieren sich nun voll und ganz auf ihren neugegründeten Verein.

(apa)

28.4.2007 20:36