"Mein potschertes Leben": Box-Legende Hansi Orsolics wird durch neue Bio verewigt
- NEWS: Mit 20 Europameister, dann kam der Absturz
- Vorm 60er setzt ihm Sigi Bergmann ein Denkmal

Mit 20 war er Europameister. Es folgten: Alkohol, Schulden, Gefängnis. Kurz vor dem 60er schrieb Reporter-Legende Sigi Bergmann nun seine Bio.
Manchmal brausen die Chöre von damals noch durch seine Träume: "Hanseee! Hanseee!" Johann Orsolics war damals, im Juni 1967, zwanzig und Europameister im Halbweltergewicht. Was dann kam, wird gern und unoriginell mit Termini aus der Boxersprache umschrieben, wobei "Tiefschlag" und "K. o." am häufigsten angewandt werden.
Dass er überhaupt noch lebt, muss mit Zufall und Widerstandskraft zu tun haben: vierzehn Gefängnisaufenthalte, Alkoholismus, Schulden und Gewalt - und ein Schutzgeist in der Gestalt der ORF-Reporterlegende Sigi Bergmann. Der verschaffte ihm einen Hilfsjob in der ORF-Druckerei.
Heute lebt Orsolics mit Ehefrau Roswitha, einer weiteren Lebensretterin, zurückgezogen im 12. Bezirk. Seinen Weg subsumierte er vor Jahrzehnten im Lied "Mei potschertes Leb'n". Jetzt, kurz vor Orsolics' 60er am 14. Mai, verfasste Bergmann die Biografie des "Box-Parsifal".
Der gelernte Rauchfangkehrer aus Kaisermühlen hatte in der raueren Wiener Vorstadt ein Wirtshaus erworben und trank bis zu vier Liter Wein pro Tag, das Harte nicht gerechnet. Allerlei Gesindel umlagerte ihn, und wer ihn nicht bis zum Bankrott ausnutzte, machte sich über ihn lustig. Orsolics antwortete in der Sprache, die er am besten verstand. Verletzte und Gefängnisstrafen waren die Folge. Vor 20 Jahren entschloss er sich zur Entziehungskur. Roswitha stand alles mit ihm durch.
Lebensmensch Bergmann
Als Orsolics mit 28 Jahren die Karriere beendete, verlief der Absturz rasend schnell. Einzig Bergmann, der seine Triumphe kommentiert hatte, nahm sich ein Herz und gestaltete 1986 eine bewegende Dokumentation, die eine Welle der Hilfsbereitschaft auslöste. Dank Bergmann schrieb Charly Kriechbaum für Orsolics den Hit "Mei potschertes Leb'n", der wochenlang die Ö3-Charts anführte.
Bergmann versteckte Orsolics vor der Polizei, schmuggelte ihn an seinen Journalistenkollegen vorbei nach Steinhof und brachte ihn zur Entziehungskur nach Kalksburg. Der Hilfsjob in der ORF-Druckerei brachte das Leben dann wieder in eine Art Gleichgewicht.
Die ganze Story finden Sie in NEWS 17/2007!
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