Donnerstag, 3. Mai 2007

'Werden Teil des Weges gemeinsam gehen':
Royal wirbt um Frankreichs politische Mitte

  • Aber keine offizielle Unterstützung von Bayrou

Eine Woche vor der entscheidenden Stichwahl hat die französische Präsidentschaftskandidatin Segolene Royal offensiv die Wähler der politischen Mitte umworben. "Wir werden einen Teil des Weges zusammen gehen", versprach die Sozialistin während einer TV-Debatte mit dem Zentrums-Politiker Francois Bayrou, dessen Anhänger am kommenden Sonntag den Ausschlag geben könnten. "Wir sind nicht in allen Punkten einer Meinung, aber Millionen von Franzosen sind überzeugt, dass wir in einigen schwierigen Fragen Übereinstimmungen finden werden", betonte sie.

In jüngsten Umfragen gaben 35 Prozent der bisherigen Bayrou-Wähler an, in der Stichwahl für die Sozialistin zu stimmen. 29 Prozent nannten den favorisierten konservativen Nicolas Sarkozy. Bayrou hatte in der ersten Runde am 22. April als Dritter mit mehr als 18 Prozent abgeschnitten, war damit aber ausgeschieden. Royal hatte Bayrou die Fernsehdebatte unmittelbar anschließend vorgeschlagen.

Bayrou klar gegen Sarkozy
Wenngleich der Zentrums-Politiker auch in der TV-Debatte mit Royal wieder erklärte, keinen Kandidaten offiziell zu unterstützen, hat er in den vergangenen Tagen doch klar erkennen lassen, dass er nicht mit Sarkozy sympathisiert. Damit rückte er automatisch Royal näher, die einen Wahlkampf unter dem Motto "Alles - bloß nicht Sarkozy" führt. Auf ihrer Seite kann Royal Bayrou aber dennoch nicht wähnen, zumindest nicht offiziell. Die beiden machten aber gemeinsam Front gegen den Konservativen, als ein größerer TV-Sender die Übertragung ihrer Debatte absagte. Bayrou warf Sarkozy vor, auf die Entscheidung direkt Einfluss genommen zu haben. Royal erklärte ihrerseits, es sei Druck innerhalb eines "Medien-Finanz-Systems" ausgeübt worden, "zu dem Sarkozy enge Verbindungen hat".

EU-Kommissionspräsident unterstützt Sozialistin
Zu den prominenten Unterstützern für Royal zählt u.a. der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jacques Delors. Er rief die Wähler des zentrumsbürgerlichen UDF-Kandidaten dazu auf, bei der Stichwahl für seine Parteifreundin Royal zu stimmen. "Es ist dringend, das will ich den Wählern von Francois Bayrou sagen", erklärte Delors gegenüber der Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" und fügte hinzu: "Ich denke vor allem an die 15 Prozent Franzosen, die ein sehr schweres Leben haben, und denen man Vertrauen und Existenzmittel geben muss." Delors ist weiter der Ansicht, dass Royal die politische Analyse Bayrous, mit dem sie am Samstag eine Fernsehdebatte führte, "im Wesentlichen teilt".

Menschenrechtsliga für Royal
Rückendeckung bekommt Royal auch von der Menschenrechtsliga "Ligue des droits de l'homme" (LDH). "Solange es noch Zeit ist, ruft die LDH die Wähler auf, die Solidarität und nicht die Angst zu wählen, den Respekt und nicht die Drohungen, die Gleichheit und nicht die Diskriminiereungen", schreibt die Vereinigung, die Ende des 19. Jahrhunderts infolge der Dreyfus-Affäre gegründet wurde. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation stelle Sarkozy einen "Alptraum" und einen demokratischen Rückgang dar. "Wir wollen nicht eine Demokratie mit einem Maulkorb, denn sie würde Millionen Menschen an den Rand drängen, die Gegenüberstellung von Bevölkerungsgruppen, den Rassismus, den Antisemitismus, den Fremdenhass entfachen und den Weg für die sozialen Revolten öffnen."

(apa/red)

3.5.2007 11:12