Ernst Strasser über Nicolas Sarkozy: "Der effizienteste Polit-Manager, den ich kenne"
- Ex-Innenminister analysiert in NEWS Wahl-Strategie
- "Hat wieder am schnellsten begriffen, was Sache ist"

·NEWS: SP-Ministerin Berger über Royal
"Sie ist unkonventionell und vermittelt Wärme"
·Frankreich: Stichwahl
um Präsidentenamt
MITVOTEN: Sarkozy oder
Royal - Wer wird siegen?
In Frankreich fällt die Entscheidung über das nächste Staatsoberhaupt: Der konservative Nicolas Sarkozy tritt in der Stichwahl gegen die Sozialistin Segolene Royal an. Für NEWS analysiert Ex-Innenminister Ernst Strasser die Strategie Sarkozys.
K. O. für Le Pen: Wieder einmal hat er am schnellsten begriffen, was Sache ist, und er hat das auch gleich in treffende Worte gefasst: Zuerst Le Pen in die Schranken weisen, Frankreich, Europa und der Welt klarmachen: "Rechts von mir ist nicht Le Pen, sondern nichts." Frankreich hat die Rechtsradikalen dorthin verwiesen, wo sie hingehören - in die 10-Prozent-Ecke. Und das ist gut und richtig so.
"Die Sorgen der Franzosen in Bezug auf Muslime, Ausländer, Sicherheit verstehe ich, Sarkozy, besser als jeder andere hier im Land." Genau aus diesem Holz ist er, Nicolas Sarkozy, der vermutlich neue Präsident der Franzosen: ein ganz feines Gespür dafür, was die Menschen brauchen und hören wollen, ein ungeheures Selbstbewusstsein, eine sehr große Portion Machiavelli, eine atemberaubende Entscheidungsgeschwindigkeit und eine phänomenale Umsetzungsfähigkeit.
In guter Erinnerung ist mir das kürzeste Arbeitsmittagessen meines Ministerlebens bei ihm im Innenministerium in Paris: In 45 Minuten wurden nicht nur fünf Gänge feinster französischer Küche serviert, wir haben dabei gezählte 18 Tagesordnungspunkte einvernehmlich erledigt - und das samt Übersetzung. Dazu war Zeit für die Erörterung allgemeiner Fragen und einen Kurzbesuch seines damals etwa fünfjährigen Sohnes, der zu unserer Verblüffung ungezwungen mit seinem Vater und der Delegation spielte.
Misstrauisch, wie ich einmal bin, dachte ich: "Na ja, der sagt das so hin, mit den Gesprächsergebnissen wird nichts passieren." Weit gefehlt: Sarkozy hat eine Mannschaft um sich, die seine wahnwitzig schnellen Entscheidungen Punkt für Punkt umsetzt. Nie habe ich einen so effizienten Politmanager getroffen.
Was wurde Sarkozy für seine harte Linie in der Regierung und in diesem Wahlkampf von der Presse verhöhnt, für seine klare, messerscharfe Kampagne um die potenziellen Wähler Le Pens! Aber man soll ihn nicht plump ins rechte Eck stellen, auch wenn vieles dafür spräche: Außer ein paar Brocken Ungarisch spricht er nur Französisch. Wie Sarkozy spricht, ist in seiner bisherigen Politik durchaus Programm. Er war immer zuerst Franzose und dann lange nichts. Meiner Erfahrung nach hat er die europäischen Institutionen verachtet, sie als bürokratisch, bürgerfern, zu langsam, als völlig unfähig abgekanzelt. Nun wird er zeigen müssen, ob das den Institutionen oder der Idee Europa gilt.
Die ganze Story über den Wahlkrimi in Frankreich lesen Sie im aktuellen NEWS!
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