Gül-Kandidatur nicht ganz unumstritten:
Türkische Presse berichtet zwiegespalten
- "Gül soll erst Treue zur säkularen Republik beweisen"
- Künftige First Lady trägt selbst islamischen Schleier

·Abdullah Gül auch in Europa sehr beliebt!
Vordenker der jungen, gemäßigten Muslime
·GRAFIK: Türkische
Staatspräsidenten
Von General Atatürk bis Ahmet Necdet Sezer
·Türkei: Gül wird
neuer Staatpräsident
Erdogan verzichtet bei Wahlen auf Kandidatur
Die Kandidatur von Abdullah Gül wird von der türkischen Presse noch leicht skeptisch kommentiert. So heißt es, dass Gül als Präsident seine Treue zur säkularen Republik erst unter Beweis stellen muss. Argwöhnisch wird in diesem Zusammenhang, die Tatsache, dass seine Ehefrau ebenso ein Kopftuch trägt, betrachtet.
Die türkische Presse hat nun die Nominierung von Außenminister Abdullah Gül zum Präsidentschaftskandidaten zwiespältig kommentiert und betont, dass der islamisch orientierte Politiker seine Verbundenheit mit den Werten der laizistischen Republik unter Beweis müsse.herauskristallisiert und solle der elfte Präsident der Türkei werden. Weil die AKP eine klare Mehrheit im Parlament hat, ist Gül die Wahl so gut wie sicher. Die erste Runde der Präsidentschaftswahl soll im Parlament stattfinden.
Der Vertraute Erdogans
"Die Nummer Zwei in Cankaya" (wo sich der Präsidentenpalast befindet), titelte die Zeitung "Aksam" und meinte, Gül, der Vertraute von Premier Recep Tayyip Erdogan, sei ein "akzeptabler" Kandidat" der aus der islamistischen Bewegung hervorgegangenen Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei AKP. Hätten dagegen der frühere islamistische Aktivist Erdogan oder Parlamentspräsident Bülent Arinc, der für seine kritischen Äußerungen gegenüber der laizistischen Staatsordnung bekannt sei, kandidiert, hätte dies eine "Krise" in der Türkei heraufbeschworen.
Medienkommentare
Die Zeitungen sahen in der Entscheidung Erdogans, auf den Posten des Staatschefs zu verzichten, ein in gewisser Weise von den laizistischen Kräften erzwungenes Opfer. Der Chefredakteur der auflagenstarken "Hürriyet" rief die Laizisten auf, sich nicht reflexartig gegen Gül zu stellen und abzuwarten, ob er nach seiner Wahl wirklich zu den Werten der säkularen Republik stehe. Man müsse der AKP helfen, sich der politischen Mitte anzunähern, schrieb Ertugrul Özkök.
"Wenn er zu seinen Worten steht und es ihm gelingt, sich unparteiisch und treu zur laizistischen Republik zu verhalten, werden wir ihn unterstützen", heißt es in der Tageszeitung "Vatan".
Andere Kommentatoren zeigten sich weniger wohlwollend gegenüber Gül, der ebenso wie Erdogan ein Mitkämpfer des islamistischen Premiers Necmettin Erbakan war, den das Militär 1997 aus dem Amt gejagt hatte. "Ein AKP-Premier, ein AKP-Parlamentspräsident und jetzt ein AKP-Staatspräsident. Es gibt kein Hindernis mehr für den islamischen Schleier, den sie über der Türkei ausbreiten wollen" fürchtet Tufan Türenc in der "Hürriyet".
Das Kopftuch der First Lady
In einem anderen Kommentar des selben Blattes schrieb Bekir Coskun, er könne nicht akzeptieren, dass die Türkei durch eine First Lady repräsentiert werde, die den Schleier trage. So wie viele andere Ehefrauen von AKP-Politikern trägt auch Hayrünissa Gül das islamische Kopftuch, das die Laizisten in der Türkei als Ausdruck des politischen Islam betrachten und das bisher in allen Amtsgebäuden der Republik verpönt war.Zahlreiche Blätter erinnerten am Mittwoch daran, dass Güls Ehefrau vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof gezogen war, um eine Aufhebung des Kopftuch-Verbots in türkischen Ämtern und Universitäten zu erreichen.
AKP besitzt breite Mehrheit
Gül dürfte mit ziemlicher Sicherheit vom Parlament zum Staatsoberhaupt gewählt werden, da seine AKP eine breite Mehrheit besitzt. Es ist aber fraglich, ob er es bereits im ersten Durchgang am Freitag schafft, da die oppositionelle und streng laizistische Republikanische Volkspartei CHP einen Boykott der Abstimmung angekündigt hat. (apa/red)
Deutsche Sklavin befreit14:01
Frau schildert ihr Leid19-Jährige nach acht Jahren gerettet - Mutter soll von Martyrium gewusst haben
Nachbeben in Italien20:01
Mehrere TodesopferErneut große Schäden und Tote nach schweren Erdstößen in Norditalien
