Montag, 7. Mai 2007

Jelzin in Moskau beigesetzt: Zehntausende gaben dem Ex-Präsidenten die letzte Ehre

  • Auch Bush, Clinton und Fischer unter den Gästen
  • PLUS: Trauer-BILDER und Porträt des Ex-Staatschefs

Zu den Klängen der Nationalhymne hat Russland Abschied von Boris Jelzin genommen, seinem ersten Präsidenten nach dem Ende der Sowjetunion. In Anwesenheit von Trauergästen aus aller Welt wurde der ehemalige Staatschef auf dem Prominentenfriedhof Nowodewitschi bestattet. Zur Trauerfeier reisten auch Bundespräsident Heinz Fischer, sein deutscher Amtskollege Horst Köhler und die früheren US-Präsidenten George Bush und Bill Clinton nach Moskau.

Die dramatische Geschichte des 20. Jahrhunderts habe sich im Leben Jelzins widergespiegelt, erklärte der russisch-orthodoxe Patriarch Alexi II. in seiner von einem Vertreter verlesenen Trauerrede. "Als starkes Individuum nahm er das Schicksal des Landes in einer schwierigen und gefährlichen Zeit radikaler Veränderungen auf sich."

Auch Jelzins Vorgänger Michail Gorbatschow, der letzte Präsident der Sowjetunion, und sein Nachfolger Wladimir Putin gaben dem Verstorbenen das letzte Geleit. Witwe Naina betete am Grab für ihren Mann, bevor der Sarg zur Nationalhymne und Kanonenschüssen in die Erde gelassen wurde.

Auf einer Lafette wurde der mit einer Flagge bedeckte Sarg das letzte Stück zum Friedhof gezogen, auf dem unter anderem die Komponisten Dmitri Schostakowitsch, Sergej Prokofjew und der Schriftsteller Anton Tschechow bestattet sind. Die Straße war mit roten Nelken übersät. Zuvor wurde Jelzin nach der eineinhalbstündigen Trauerfeier in der Moskauer Erlöserkirche in einem schwarzen Mercedes auf seinen letzten Weg geleitet.

Seit Jelzins Aufbahrung in der Erlöserkirche defilierten rund 20.000 Menschen am Sarg vorbei. "Ich kam her, um Boris Nikolajewitsch meinen Respekt zu bekunden für all das, was er uns gegeben hat: Freiheit und die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung", sagte eine trauernde Russin.

Putin würdigte Jelzin in einem Kreml-Empfang nach der Beerdigung als Motor der Veränderung. Jelzin habe immer an die Wiedergeburt und die Umgestaltung Russlands geglaubt, zitierte RIA-Nowosti den Präsidenten.

Die kommunistische Fraktion im Parlament verweigerte unterdessen eine Schweigeminute für den im Alter von 76 Jahren gestorbenen Jelzin. "Wir werden niemals den Zerstörer des Vaterlandes ehren", sagte der kommunistische Abgeordnete Viktor Iljuchin laut einer Meldung der russischen Nachrichtenagentur RIA-Nowosti.

(apa/red)

7.5.2007 16:37