Dienstag, 24. April 2007

Trauer um Jelzin: Würdigungen aus der
ganzen Welt für Russlands Ex-Präsidenten

  • "Historische Figur": Legendäres Verhalten bei Putsch
  • PLUS: Boris Jelzins Karriere und alle Pressestimmen

Politiker in aller Welt haben den verstorbenen früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin als großen Staatsmann gewürdigt. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hob Jelzins entscheidende Rolle bei der Annäherung von Ost und West hervor. US-Präsident George W. Bush nannte ihn eine "historische Figur", die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Kämpfer für Demokratie und Freiheit. Der deutsche Altkanzler Helmut Kohl lobte den Verstorbenen als einen "großen Staatsmann" und "treuen Freund der Deutschen".

Aus Russland kam aber auch Kritik an Jelzin, dessen Regierungszeit vielen Menschen durch Chaos, Armut und Raubtierkapitalismus in Erinnerung geblieben ist. Der Politiker stand von 1991 bis 1999 an der Spitze Russlands. Er war im Alter von 76 Jahren an Herzversagen gestorben.

Russlands Präsident Wladimir Putin lobte die Verdienste seines Vorgängers in einer Fernsehansprache. "Es ist ein Mensch gestorben, dank dem eine völlig neue Epoche begonnen hat". Durch ihn sei ein neues, demokratisches Russland geboren worden, sagte Putin. Er sprach Jelzins Witwe Naina telefonisch sein Beileid aus.

Tod durch Herzschwäche
Wie der Kreml mitteilte, starb Jelzin im Kremlkrankenhaus an Herzschwäche. Schon zu seiner Amtszeit hatte er unter Herzproblemen gelitten. Er soll auf dem Neujungfrauen-Friedhof in Moskau beigesetzt werden. Putin ordnete für den Tag der Beisetzung Staatstrauer an.

"Boris Jelzin bleibt untrennbar mit der demokratischen Wende Russlands von 1991 verbunden", betonte Außenministerin Ursula Plassnik. "Jelzin hat sich damals eindrucksvoll allen Versuchen entgegengestellt, das Rad der Geschichte zurückzudrehen", ergänzte die Außenministerin.

Bush: "Historische Figur"
Die Nachricht vom Tod Jelzins habe den UNO-Generalsekretär betrübt, sagte ein Sprecher Bans. "Präsident Jelzin wird für die entscheidende Rolle, die er beim Erreichen politischer und wirtschaftlicher Reformen in Russland gespielt hat, ebenso in Erinnerung bleiben wie für die von ihm geförderte Annäherung von Ost und West", habe Ban gesagt.

Für US-Präsident George W. Bush war Jelzin eine "historische Figur", die eine Schlüsselrolle bei der Auflösung der Sowjetunion spielte und "half, die Fundamente der Freiheit in Russland zu legen".

Der britische Premier Tony Blair würdigte Jelzins "entscheidende Rolle in einer äußerst wichtigen Zeit der Geschichte Russlands". Der französische Präsident Jacques Chirac nannte den Verstorbenen einen Mann, "der mit seinem Mut, seiner Hartnäckigkeit und seinem politischen Sinn die Freiheit triumphieren ließ". "Am besten ist er uns in Erinnerung, als er sich gegen den Staatsstreich (1991) stemmte", sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Legendäre Ansprache während Putsch 1991
Jelzin war im Juni 1991 zum ersten Präsidenten der russischen Teilrepublik innerhalb der Sowjetunion gewählt worden. Im August 1991 verteidigte er auf einem Panzer vor dem Weißen Haus in Moskau stehend die junge Demokratie gegen die kommunistischen Hardliner, die gegen den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow geputscht hatten.

Im Dezember 1991 gründete Jelzin gemeinsam mit den Führern Weißrusslands und der Ukraine die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten  (GUS) und läutete so das Ende der Sowjetunion ein. In seine Regierungszeit fielen aber auch der Beginn der beiden Tschetschenienkriege 1994 und 1999 und die große Wirtschaftskrise 1998. Vor Ablauf seiner Amtszeit trat Jelzin Ende 1999 überraschend zurück und übertrug dem damaligen Ministerpräsidenten Wladimir Putin die Amtsgeschäfte.

(apa/red)

24.4.2007 10:03