Dienstag, 24. April 2007

Boris Jelzin ist tot: Ehemaliger Russland-Präsident im Alter von 76 Jahren gestorben!

  • Plötzlicher Herzstillstand laut Ärzten als Todesursache
  • Kreml: Mittwoch Beisetzung des Ex-Staatsoberhaupts
    PLUS: Jelzins Weg vom Bauernsohn zum Präsidenten

Der frühere russische Präsident Boris Jelzin, der die Auflösung der Sowjetunion mit friedlichen Mitteln maßgeblich vorantrieb, ist tot. Jelzin starb im Alter von 76 Jahren, wie das Präsidialamt in Moskau mitteilte. Angaben zur Todesursache wurden von offizieller Seite zunächst nicht gemacht. In Mediziner-Kreisen hieß es aber, Jelzin sei an Herzversagen gestorben. Er litt schon seit längerem an Herzproblemen.

Seine politische Karriere hatte Jelzin in den 60er Jahren als Funktionär der KPdSU begonnen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wurde er Nachfolger von Michail Gorbatschow und erster demokratisch gewählter Präsident Russlands. Die Auflösung der früheren Weltmacht gestaltete er weitgehend ohne Blutvergießen. Jelzin führte in Russland radikale marktwirtschaftliche Reformen ein, die allerdings für weite Teile der Bevölkerung einen Abstieg in große Armut zur Folge hatten. Während seiner Amtszeit grassierte Korruption, das Pro-Kopf-Einkommen ging dramatisch zurück. Dennoch wurde er 1996 wiedergewählt. Vier Jahre später dankte Jelzin überraschend ab und leitete die Machtübergabe an den bis dahin wenig bekannten damaligen Ministerpräsidenten Wladimir Putin ein. Eine seiner schwersten innenpolitischen Niederlagen war der Tschetschenienkrieg, der zehntausende Menschen das Leben kostete und schließlich mit dem Rückzug der russischen Truppen endete.

Mehrfache Bypass-Operation
Vor allem in seiner zweiten Amtszeit verschlechterte sich Jelzins Gesundheitszustand. Im Wahlkampf um seine Wiederwahl im Jahr 1996 musste er mehrfach pausieren. Nach seinem Wahlsieg musste er sich in einer Moskauer Klinik einer mehrfachen Bypass-Operation am Herzen unterziehen. Zum Ende seiner Amtszeit wurde Jelzin immer wieder mit Alkoholproblemen in Zusammenhang gebracht. Bei öffentlichen Auftritten wirkte er mitunter wie betrunken.

Putin sprach den Angehörigen Jelzins sein "tiefstes und aufrichtigstes Beileid" aus. Das teilte der Pressedienst des Kremls mit. Putin telefonierte mit Jelzins Witwe Naina.

Der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow würdigte die Verdienste Jelzins, allerdings nicht uneingeschränkt: "Ich spreche der Familie des Toten mein Beileid aus. Er hat dem Land große Dienste geleistet, aber auch große Fehler gemacht", sagte Gorbatschow nach Angaben der Agentur Interfax.

US-Präsident: "Historische Persönlichkeit"
US-Präsident George W. Bush würdigte den früheren russischen Präsidenten als "historische Persönlichkeit". Jelzin habe seinem Land in einer bedeutsamen Periode des Umbruchs gedient und die Grundlagen für die Freiheit in Russland geschaffen, hieß es in Bushs Erklärung. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Gordon Johndroe, sprach der Familie des Verstorbenen und der russischen Bevölkerung Beileid und Mitgefühl aus. Zum damaligen US-Präsidenten Bill Clinton pflegte Jelzin eine herzliche Beziehung.

Auch Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel erinnerte daran, dass Jelzin den schwierigen Weg Russlands in die Demokratie bewältigt habe und diese Demokratie auch gegen die Putschisten erfolgreich verteidigen konnte. "Boris Jelzin war ein streitbarer Politiker mit Ecken und Kanten und mit der für europäische Verhältnisse oft unverständlichen sprichwörtlichen russischen Seele. Er konnte poltern und lachen, war eisern und doch menschlich, war Politiker und Mensch. Er liebte sein Land und hat viel dafür getan, das Realität werden zu lassen, was er für Russland für das Beste hielt. Er war eine Kämpfernatur, die sich nur ungern geschlagen gab. Er nutzte das internationale Parkett geschickt für seine Anliegen, für seine Politik, für seine Heimat. Er gab der Politik Russlands ein menschliches Gesicht, und dieses Gesicht wird uns noch lange in Erinnerung bleiben", schloss Schüssel. (apa/red)

24.4.2007 07:24