Zweiter Tag im Grazer Babymordprozess: Zeugeneinvernahmen bringen Aufschlüsse
- Früherer Untermieter fand Leiche bei Suche nach Eis
- Schwanger? Ex-Häftling belastet Angeklagten schwer
Am zweiten Tag in der Neuauflage des Grazer Babymordprozesses wurden zahlreiche Zeugen gehört. Darunter auch die Ex-Frau des Angeklagten, der frühere Untermieter, der die erste Babyleiche gefunden hatte sowie Arbeitskolleginnen von Gertraud A., die teilweise eine Schwangerschaft vermutetet hatten. Geladen war auch ein ehemaliger Mithäftling von G., der den Angeklagten massiv belastete.
Unter den Zeugen war auch der Untermieter des Paares, dem Gertraud A. erlaubt hatte, die Tiefkühltruhe im Keller des Hauses mitzubenützen. Der Mann bewahrte darin Speiseeis für seine Kinder auf. "Sie haben den unerfreulichen Moment erlebt, dass sie in einem Sackerl in der Tiefkühltruhe eine Babyleiche gefunden haben", meinte Richter Martin Wolf. "Ja", antwortete der Zeuge. Alles andere habe er aber "verdrängt", sogar, wie langer er in dem Haus gewohnt hat.
Im Nachhinein, so erzählte er, hat er fast das Gefühl, als habe Gertraud A. gewollt, dass er die Leichen findet. "Sie wollte ein paar Tage vor Auffindung der Babys, dass ich in der Tiefkühltruhe nach Kräuterbutter suche". Damals habe er gegrillt, und nur weil ein Kollege bereits Kräuterbutter mitgebracht hatte, war er nicht in den Keller gegangen.
Jener ehemalige Mithäftling von Johannes G., der ihn bereits im ersten Verfahren schwer belastet hat, wurde ebenfalls als Zeuge gehört. Er gab wieder an, ein Gespräch gehört zu haben, in dem G. erklärte, er habe von den Schwangerschaften seiner Lebensgefährtin gewusst. Der Zeuge tauchte kurz vor der ersten Verhandlung auf. Er gab an, am Gefängnishof gehört zu haben, wie G. von den Schwangerschaften seiner Freundin gesprochen habe. Wann und mit wem genau konnte er allerdings nicht mehr sagen.
Er hatte sich damals nicht selbst gemeldet, sondern nur mit einem Rechtspraktikanten während seiner Arbeit darüber geredet. "Ich musste mit jemandem darüber reden, meine Mutter ist selbst ermordet worden (Sie war eines der Opfer von Jack Unterweger, Anm.). Und hier geht es um Kinder, die können sich nicht wehren", schilderte der Zeuge, dessen Glaubwürdigkeit von der Verteidigung stark angezweifelt wurde.
Bei vielen Zeugen ging es um die Frage, ob sie eine Schwangerschaft bei Gertraud A. bemerkt hatten oder nicht. Während Sportkollegen keine Veränderung aufgefallen war, gab eine ehemalige Arbeitskollegin an, sie hätte sehr wohl eine starke Gewichtsabnahme bei A. bemerkt. Außerdem hätten die Gäste in dem Tankstellen-Café, in dem A. auch gearbeitet hatte, schon über eine eine Schwangerschaft geredet. "War die Gewichtsabnahme so markant, dass ihr Mann sie hätte bemerken müssen?", fragte der Richter. "Ja", antwortete die Zeugin bestimmt.
Die Ex-Frau des Angeklagten gab an, Johannes G. sei von ihrer dritten Schwangerschaft - damals war er bereits mit Gertraud A. liiert - "nicht begeistert" gewesen, hätte sich aber bald damit abgefunden. Sie selbst sei eher "der eigenständige Typ, keinesfalls untergeben oder hörig", betonte die Frau. Mit dem Beschuldigten habe sie "eine gute Ehe geführt".
(apa/red)
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