Dienstag, 17. April 2007

Der Glaube an die Sensation gewinnt: Boni
will Österreich zur Eishockey-Macht formen

  • Fünf bis sechs Spieler haben das Talent für die NHL
  • Teamchef: "Die WM 2008 in Kanada ist mein Traum"

Eishockey-Teamchef Giacinto "Jim" Boni bereitet sich mit seiner Truppe zur Zeit auf die A-WM in Moskau (27.4.-13.5.) vor. In Wien will der Italo-Kanadier den ÖEHV-Cracks den Feinschliff für das Aufeinandertreffen mit der internationalen Elite verpassen. Trotz der wohl härtesten Vorrundengruppe mit Tschechien, USA und Weißrussland versprüht der 43-Jährige glaubhaften Optimismus.

Boni hat in den Reihen der rot-weiß-roten Equipe eine neue Philosophie verankert: Nicht die Angst vor dem Abstieg soll überwiegen, sondern der Glaube an Sensationen. Auf diese Weise will er mit Österreich das Ticket für die WM 2008 im Mutterland des Eishockeysports lösen. "Die WM in Kanada ist mein Traum", gesteht der ehemalige Vienna Capitals- und neue Black Wings Linz-Trainer, der sein Teamchef-Amt in Doppelfunktion ausübt.

"Wir gehen in jede Partie mit dem Vorhaben, dass wir die Mannschaft sein werden, die Eishockey spielt", erläutert Boni und konkretisiert: "Wir wollen über hartes Forechecking zum Erfolg kommen. Unsere Devise wird sein: Immer auf den Zehenspitzen stehen, niemals auf den Fersen. Mit Passivität kann man nicht gewinnen."

Agieren statt reagieren
"Die Spieler müssen an sich glauben, das ist das wichtigste überhaupt. Aber da habe ich keine Angst. Sie wissen, was sie können und haben genug Erfahrung. Jeder Spieler hat seine bestimmte Rolle, die er ausführen und erfüllen muss", erklärte der ÖEHV-Headcoach, der im September 2005 Herbert Pöck nachgefolgt war.

"Das heißt nicht, dass wir Hurra-Eishockey spielen werden. Aber wir wollen agieren, nicht nur reagieren. Vielleicht verlieren wir und vielleicht verlieren wir auch einmal 1:7, aber es geht um das 'wie'."

Mehrere Spieler mit NHL-Talent
Natürlich weiß Boni um die schwere Aufgabe in der Vorrunde: "Eine schlimmere Gruppe hätten wir nicht erwischen können." Aber er weiß auch um das Potenzial in seiner Mannschaft. "Wir haben fünf bis sechs Spieler im Nationalteam, die sicher das Talent für die NHL haben. Setzinger, Welser, Trattnig oder Brückler sind zum Beispiel NHL-Spieler."

Der Nationaltrainer fordert daher: "Österreich muss sich mehr internationales Ansehen verschaffen. Tommy Vanek hat uns in diese Richtung schon sehr geholfen und die Tür geöffnet. Ich bin sicher, dass wir in ein paar Jahren mehrere Österreicher in der NHL haben."

Für den angesprochenen Setzinger geht es in Moskau eben auch um einen möglichen Wechsel in die NHL, was der im Februar von den Hannover Scorpions verpflichtete Stürmer natürlich im Hinterkopf hat. "Es gab Gespräche mit Mannschaften, die mich in Moskau beobachten werden. Ich werde schauen, dass ich mein Bestes für die Mannschaft tue, die dann wiederum mich pushen kann. Vielleicht schaffe ich ja in Moskau den Sprung nach Nordamerika", so Setzinger, der in den vergangenen zwei Saisonen im Vienna-Capitals-Trikot auf Torjagd gegangen war.

Boni warnte zum Abschluss vor zu vielen Legionären in der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL): "Für die Zukunft bringt uns das nichts. Junge Spieler müssen gefordert werden, auch in der Liga. Die Transferkartenregelung aufzugeben, ist für Österreich der absolut falsche Weg."

(apa/red)

17.4.2007 12:32