Freitag, 20. April 2007

Existenz des GAK gesichert: Nach langem Nachrechnen geht Zwangsausgleich durch!

  • GAK-Präsident Sticher: Gleich mit Neustart beginnen
  • Traditionsklub überlebt: Auch Stickler ist zufrieden

Es war wie ein Krimi, was im Verhandlungssaal des Grazer Handelsgerichts am Marburger Kai ablief. Dann war es geschafft: Zehn Prozent der 20-prozentigen Zwangsausgleichsquote des GAK - in Höhe von rund 1,1 Mio. Euro - müssen in den nächsten zehn Tagen beglichen werden. Die restlichen zehn Prozent in den kommenden 16 Monaten, wie die Kreditschutzverbände KSV und AKV erklärten. Gesamt war man auf 21,585 Mio. Euro unbestrittene Forderungen gekommen.

Das Erreichen der notwendigen Mehrheit unter den Gläubigern war denkbar knapp. Zwar hatte es eine Kopfmehrheit gegeben, aber das Erreichen der erforderlichen 75-Prozent-Summe durch die Gläubiger war unsicher. Nach dreimaligem Auszählen stand dann fest: Mit 16,487 Mio. Euro lag man sogar rund 300.000 Euro über der 75-Prozent-Summe von 16,189 Mio. Euro. Diese Zahlen hatten sich während des mehrmaligen Durchrechnens gegenüber der ersten Angabe sogar erhöht. GAK-Präsident Stefan Sticher meinte, dass man die Geldgeber noch nicht nennen wolle, sprach aber einen "großen Dank" an GAK-Altpräsident Rudi Roth aus, der maßgeblich an der Finanzierung beteiligt gewesen sei.

Sticher: Sofort mit Neustart beginnen
"Wir werden nun sofort einen Neustart beginnen. Wir haben die Voraussetzungen geschaffen und für Investoren und Sponsoren gibt es nun Rechtssicherheit", betonte Sticher. Verhandlungen mit den Spielern, ob sie in der Red Zac Erste Liga weiter beim GAK spielen wollen, würden nächste Woche aufgenommen. Sticher versprach, dass "in Zukunft nur von einer absolut fundierten finanziellen Basis aus der sportliche Erfolg erreicht werden wird".

"Es war nervenaufreibend"
Es habe in den vergangenen Monaten schon Tage und Stunden gegeben, da er nicht mehr so optimistisch gewesen sei, sagte Sticher: "Es war nervenaufreibend." Man werde nun sofort Sponsoren und Investoren für den GAK gewinnen versuchen. Das Budget für die kommende Saison in der Ersten Liga belaufe sich auf 3,5 Mio. Euro. Dies müsse erreicht werden. Der GAK-Präsident nannte als sportliches Ziel in den nächsten zwei Jahren, den Wiederaufstieg in die Bundesliga zu schaffen.

Nach Einschätzung der Kreditschützer dürfte von der Fortführungskaution des GAK für die laufende Saison in Höhe von rund 650.000 Euro nichts überbleiben. Wie die erste Tranche von zehn Prozent des 20-prozentigen Zwangsausgleichs finanziert werde, wollte Sticher vorerst nicht sagen. Möglich sei es, dass diese eventuell von Altpräsident Roth aufgetrieben würde und dass die zweite Tranche der 20 Prozent über Vermarktungsrechte, einer Verpachtung des Trainingscenters in Graz-Andritz oder über die Banden-Werberechte hereinkommen könnte.

Lob an Masseverwalter
Sticher berief sich bei der Pressekonferenz nach dem gelungenen Zwangsausgleich auf die 104-jährige Klubgeschichte, in der die Ereignisse einmalig seien und versprach vernünftiges Wirtschaften und Forcieren heimischer Spieler. Lob und Dank vom Präsidenten gab es für das GAK-Team und vor allem für Masseverwalter Norbert Scherbaum, der laut Sticher "innerhalb kurzer Zeit eine Meisterleistung vollbracht" habe. Scherbaum selbst appellierte an die Admira und die Sportvermarktungsgesellschaft IMG, gegen den Zwangsausgleich keinen Rekurs einzulegen: "Ich hoffe, es kehrt Vernunft ein."

"Wohlverdientes Bier"
Präsident Sticher stellte in Zukunft einen korrekten wirtschaftlichen Weg und die Chance für junge Eigenbautalente in Aussicht "Wir werden jeden Euro im Detail anschauen, beim GAK wird sich einiges verändern. Wir haben eine ausgezeichnete Akademie, und wir wollen den Weg zurück in die Bundesliga mit jungen österreichischen Spielern schaffen", sagte ein sichtlich erleichterter Chef der "Roten Teufel". Und: "Jetzt werden wir alle erst einmal ein wohlverdientes Bier trinken."

Hoffen auf Signalwirkung
Der Masseverwalter, der nun nach den "Blackies" von SK Sturm auch die Roten Teufel des GAK durch das Zwangsausgleichverfahren gesteuert hat, richtete auch einen Aufruf an alle Bundesliga-Klubs: "Ich hoffe, diese Verfahren waren ein Signal für alle Vereine, dass man nur das ausgibt, was man auch tatsächlich hat."

Rekurs möglich
Scherbaum meinte, dass es 14 Tage Zeit für einen Rekurs gegen den Zwangsausgleich gebe. Bei der überwiegenden Zahl der Gläubiger ist dies nicht wahrscheinlich. Ein Rekurs hätte seiner Ansicht nach nur aufschiebende Wirkung, und wenn es in dieser Sache keine rasche Entscheidung bis Ende Mai gebe, könnte es Probleme bei der Lizenzerteilung für den GAK für die Red Zac Erste Liga geben.

Scherbaum erklärte, als Masseverwalter sei es auch seine Pflicht gewesen, für alle Fälle eine Anfechtungsklage gegen die Forderung von IMG einzubringen. Eine Einigung sei bisher nicht möglich gewesen, nach dem geschafften Zwangsausgleich baue er aber auf die Vernunft aller Beteiligten. Er hoffe jedenfalls, er werde Anfang Mai seiner Pflichten beim GAK enthoben sein und die Geschicke in die Hände des Präsidiums übergeben.

Stickler zufrieden
Auch ÖFB-Präsident Friedrich Stickler ist zufrieden: "Es ist auf alle Fälle erfreulich, dass eine Lösung für den Verein gefunden und der Fortbestand eines Traditionsklubs, in welcher Liga auch immer, gesichert wurde. Aus Sicht des ÖFB ist nun die Voraussetzung geschaffen, dass die Tabelle so korrigiert wird, dass der von der FIFA angeordnete 6-Punkte-Abzug bezüglich der 'Causa Kimoni' endlich umgesetzt werden kann. Daher drohen dem österreichischen Fußball keine Sanktionen des Weltfußballverbandes mehr. Es ist zu hoffen, dass die Entwicklungen der letzten Wochen allen anderen Klubs Warnung genug sind und keiner mehr Geld ausgibt, als er einnimmt. Die Begriffe Insolvenz, Zwangsausgleich oder Konkurs werden hoffentlich in Zukunft in der Berichterstattung nicht mehr in Zusammenhang mit unserem Fußballsport gebracht werden müssen."

Roth: Erster Schritt zum Ausgleich getan
Ex-GAK-Präsident Rudi Roth: "Sie sehen mich heute glücklich und erleichtert. Der erste Schritt zum GAK-Ausgleich ist getan, ich habe mich - auch finanziell - sehr dafür engagiert. Nach Ende meiner Präsidentschaft vor zwei Jahren, seit denen ich weder im Präsidium noch im Vorstand tätig war, sind jetzt insgesamt mit der heutigen Million drei Millionen Euro von mir persönlich unserem GAK zugeflossen, ich bin damit über meine Grenzen gegangen.

Ich teile Ihnen das in aller Offenheit mit, um damit Gerüchten zu begegnen, die mir Untätigkeit oder schlechtes Gewissen unterstellen. Ich habe nicht zuletzt mit großen Summen in den letzten Jahren den Verein unterstützt, weil ich dem Liebherr GAK seit Jahrzehnten mit Herzblut verbunden bin. Als Spieler, als Funktionär, als Sponsor. Nun bleibt mir noch zu wünschen, dass unserem GAK ohne Altlasten wieder gute Zeiten ins Haus stehen. Persönlich stehe ich dem Klub künftig allerdings nicht mehr zur Verfügung, aus gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gründen (höchstens über Sponsoring unserer Firma)."

Pangl: "Begrüße die Entscheidung"
Bundesliga-Vorstand Georg Pangl: "Als Vorstand der Bundesliga begrüße ich diese Entscheidung speziell unter dem Aspekt, dass das Hauptaugenmerk jetzt wieder auf die sportlichen Leistungen am grünen Rasen gelegt werden kann. Der Liebherr GAK wird die Einstweilige Verfügung zurückziehen, womit die Punkteabzüge aus dem Lizenzierungsverfahrens bzw. durch die FIFA rechtswirksam sind. In diesem Zusammenhang gibt es vom Klub auch die Zusage, dass mit Rechtskraft des Zwangsausgleichs auch auf die Anrufung des Bundesliga-interne Instanzenzugs verzichtet wird."

(apa/red)

20.4.2007 08:22