Donnerstag, 3. Mai 2007

Frankreich an den Urnen: Traditionelles
Links-Rechts-Duell bei der Präsidentenwahl

  • Linke überwand Trauma des Erfolges von Le Pen
  • Acht Millionen Wähler mehr als 2002 an den Urnen

Die sehr hohe Wahlbeteiligung von 85 Prozent am Sonntag in Frankreich hat die Favoriten im Rennen um den Elysee-Palast begünstigt. Wenn der konservative Präsidentschaftskandidat und UMP-Chef Nicolas Sarkozy mit etwa 30 Prozent der Stimmen am 6. Mai als Favorit gegen die Sozialistin Segolene Royal (etwa 25 Prozent) antreten wird, so ist das auch darauf zurück zu führen, dass sich acht Mio. Franzosen mehr an dem Urnengang beteiligt haben als vor fünf Jahren.

Die Linkswähler machten diesmal besonders stark mobil, um einen erneuten 21. April 2002 zu vermeiden, als der Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen ("Front National"/FN) den sozialistischen Premier Lionel Jospin (PS) aus dem Rennen geworfen hatte.

"Die erste Siegerin dieser Wahl ist die Demokratie", betonte Sarkozy und fügte hinzu, dass es ihm gelungen sei, "die Franzosen zur Politik zurück zu führen". Nun sei es wichtig, einen "würdigen zweiten Wahlgang" abzuhalten, "um den Franzosen jene Möglichkeit zu geben, die sie 2002 nicht hatte, nämlich zwischen zwei verschiedenen Gesellschaftsmodellen zu wählen". Sozialistenchef Francois Hollande (PS) erinnerte daran, dass Royal zehn Prozent Wählerstimmen mehr als Jospin 2002 erhalten habe, und dass nun eine breite Allianz der Linken und "all jener Kräfte, die gegen Sarkozy sind", nötig sei, um die Stichwahl zu gewinnen.

Die starke Wahlbeteiligung wirkte sich vor allem auf den Zentrumskandidaten Francois Bayrou (UDF) negativ aus, der sich überraschend als der "dritte Mann" im Rennen um den Elysee-Palast etablierte und Chancen auf eine Teilnahme an der Stichwahl ausgerechnet hatte. Das Versprechen des 56-Jährigen, eine Regierung "jenseits von links und rechts" zu bilden, an der sich Politiker aus beiden Lagern beteiligen sollten, übte auf die Franzosen letztendlich weniger Anziehungskraft aus als die Versuchung einer klaren Links-Rechts-Konfrontation. Dennoch bezeichnete der UDF-Abgeordnete Herve Morin das Ergebnis als "Erfolg". "Mehr als sechs Millionen Franzosen haben Bayrou gewählt, das sind mehr als die Stimmen, die Präsident Jacques Chirac im ersten Durchgang vor fünf Jahren erhalten hatte", so Morin.

Le Pen, der mit 78 Jahren seinen fünften und wohl letzten Wahlkampf geführt hat, konnte wie zu erwarten den überraschenden Erfolg von 2002 nicht wiederholen. Damals hatte er von einer hohen Enthaltungsrate und der ausgesprochenen Politik-Müdigkeit zahlreicher Wähler profitiert, die sich in die Extreme geflüchtet hatten. Dennoch bestätigte das Ergebnis des FN-Chefs allerdings erneut, dass seine ausländerfeindlichen Ideen im politischen Panorama Frankreichs verankert sind. Er habe "die Schlacht der Ideen" gewonnen, indem er einige seiner Vorzugsthemen wie etwa die Immigration erneut ins Zentrum der politischen Debatte gerückt habe, analysierte Le Pen das Ergebnis.

Überraschend war das im Vergleich zu 2002 sehr schwache Ergebnis der übrigen acht Kandidaten im Rennen um den Elysee-Palast. So hatten etwa die Trotzkisten Olivier Besancenot ("Kommunistische Revolutionäre Liga"/LCR) und Arlette Laguiller ("Lutte Ouvriere"/LO) vor fünf Jahren etwa zehn Prozent der Wählerstimmen erobert, während sie sich diesmal mit weniger als sechs Prozent begnügen müssen. Bei den Kommunisten, die bereits 2002 das schwächste Ergebnis in der Parteigeschichte erreicht hatten, bestätigte sich auch diesmal ein anhaltender Niedergang. Die PCF-Kandidatin Marie George Buffet brachte es nur auf 1,8 Prozent der Stimmen. Schwach war auch das Ergebnis der Grünen-Kandidatin und ehemaligen Umweltministerin Dominique Voynet, die 1,7 Prozent der Stimmen erhielt, nur wenig mehr als der Globalisierungsgegner Jose Bove (1,4 Prozent).

(apa)

3.5.2007 11:10