Jean-Marie Le Pen: Jähzornige Galionsfigur
des französischen Nationalismus im Porträt
- Rechtsradikaler mehrfach von Gerichten verurteilt

Vielen Franzosen war es ohnehin schon peinlich, dass er seit Jahrzehnten zum politischen Stammpersonal ihres Landes gehört, aber 2002 fuhr ihnen der Schock in die Glieder: Der Rechtsradikale Jean-Marie Le Pen erreichte im ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl Rang 2 und warf damit den sozialistischen Premierminister Lionel Jospin aus dem Rennen. Bei der heurigen Wahl liegt er Umfragen zufolge auf Platz vier. Aber auch bei der letzten Wahl hatten ihn die Meinungsforscher nicht auf der Rechnung.
Le Pen wurde mehrfach für ausländerfeindliche Äußerungen verurteilt, verbreitete aber weiterhin hartnäckig Parolen, die in krassem Widerspruch zu den Idealen von Gleichheit und Brüderlichkeit stehen.
Der 73-jährige Le Pen glaubt an die "Ungleichheit der Rassen" und hat die Gaskammern der Nazis als "Detail der Geschichte" abgetan. Dafür wurde er 1997 in München wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Weil er im gleichen Jahr in Mantes-la-Jolie bei Paris jähzornig eine sozialistische Politikerin schlug, kassierte er eine dreijährige Bewährungsstrafe - woraufhin ihm das Abgeordnetenmandat im Europaparlament entzogen wurde.
Mit der von ihm 1972 gegründeten Nationalen Front (FN) konnte Le Pen seit den 80er Jahren ein beträchtliches Wählerpotenzial hinter sich scharen: Hatte er noch 1974 bei der Präsidentschaftswahl nur 190.000 Stimmen erhalten, so schnellte die Zahl der FN-Wähler bei der EU-Wahl 1984 auf 2,2 Millionen und bei der Präsidentschaftswahl 1988 nochmals auf 4,4 Millionen (14,4 Prozent) hoch.
Nach der Trennung von seinem einstigen Vasallen Bruno Megret und der Spaltung der FN war Le Pen von vielen bereits abgeschrieben worden.
Le Pen entstammt einer bretonischen Fischerfamilie, besuchte als Junge ein Jesuitenkolleg und studierte dann in Paris Jus. Obwohl von der Wehrpflicht befreit, medete er sich für den Waffendienst. Mitte der 50er Jahre war er als Fallschirmjäger in Indochina im Einsatz, anschließend auch im Algerienkrieg. Heute ficht er seine Kämpfe vor allem vor Gerichten aus. Auf die äußerste Rechte in Deutschland übt Le Pen große Faszination aus. In seinem Buch "Le Pen - Der Rebell" pries der Republikaner-Gründer Fanz Schönhuber die Nationale Front als "Modell für Deutschland". (apa/red)
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