Rauher Endspurt im französischen Wahl- Kampf: Kandidaten ringen um jede Stimme
- Ex-Innenminister teilt Seitenhieb gegen Le Pen aus
- Umfrage: Royal nur mehr einen Punkt hinter Sarkozy
·Endspurt: Sarkozy, Royal oder Bayrou?
Abstände bei Frankreich-
Wahl schrumpfen weiter
·Frankreich: Linker Lichtblick Besancenot
Antiwirtschaftsliberale mit
Problemen im Wahlkampf
·Sarkozy ein 'Lügner'
und niederträchtig
Schlammschlacht knapp vor der Frankreich-Wahl
·Frankreich: Seit rund 50 Jahren 5. Republik!
"Monarch auf Zeit" wird direkt vom Volk gewählt
·INFO-Grafik: Alle Daten zu Frankreich!
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Vor der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl haben die Kandidaten noch einmal um jede Stimme gekämpft. Auf ihren letzten Großveranstaltungen versuchten sich die drei Favoriten als Hoffnungsträger ihres Landes zu präsentieren. Zugleich nahmen sie ihre Gegner heftig unter Beschuss. Laut letzten Umfragen wird der Zieleinlauf äußerst spannend.
Exinnenminister Nicolas Sarkozy plädierte vor 12.000 euphorischen Anhängern in Marseille für eine Rückkehr zu den "Werten und Traditionen der Republik". In Anspielung an den US-Bürgerrechtler Martin Luther King gab er sich als Versöhner und Mutmacher: "Ich will der Präsident sein, der einen neuen französischen Traum verwirklicht", sagte der Chef der rechtsbürgerlichen UMP. "Ein Traum, in dem die Zukunft nicht eine Bedrohung, sondern ein Versprechen ist." Gleichzeitig brachte der konservative Sarkozy seine Kritiker mit dem Faschismus in Zusammenhang. Der Zeitung "Le Parisien" (Freitag) sagte er: "Faschismus heißt, die Leute zu karikieren, statt zuzuhören, was sie sagen." Nicht nur der Rechtsradikale Jean-Marie Le Pen handle so.
Royal greift Sarkozy an
Die sozialistische Kandidatin Royal stellte ihren Konkurrenten in Toulouse vor knapp 15.000 Parteimitgliedern dagegen einmal mehr als machthungrigen Populisten dar, der eine "Maske der Angst" trage, mit den Rechtsextremisten flirte und die Gesellschaft spalte. "Sein Projekt besteht nur aus ihm selbst, mein Projekt seid Ihr", rief sie. Unterstützt wurde sie vom spanischen Ministerpräsidenten Jose Luis Rodruigez Zapatero, der in die südwestfranzösische Stadt gereist war. Er bewundere ihre heißblütige Persönlichkeit und ihren Optimismus, sagte der Sozialist. Royal stehe für Wandel und Zukunft.
Bayrou siegessicher
Ungeachtet seines Rückstandes in Umfragen gab sich Zentrumskandidat François Bayrou siegessicher und kämpferisch. Er hatte für seine letzte Großveranstaltung seine Heimatstadt Pau nahe der Pyrenäen ausgewählt und propagierte eine "orangene Revolution". "Ich bin der einzige, der in der Stichwahl gegen den Hyperfavoriten Sarkozy gewinnen kann", sagte er vor rund 5.000 Anhängern. Anders als dieser stehe er für eine "Revolution ohne Risiko", weil er ein ausgeglichener und gemäßigter Präsident wäre, der "Frankreich mehr liebt als die Macht". Bayrou attackierte die Tageszeitung "Le Monde", die zur Wahl Royals aufrief. Dahinter stünden "mächtige Einflüsse". An "Le Monde" ist unter anderem EADS-Großaktionär Arnaud Lagardere beteiligt, den Bayrou namentlich angriff.
Zeitungen unterstützen Sozialistin
"Le Monde"-Chef Jean-Marie Colombani rief in seinem Leitartikel unter dem Titel "Imperatif democratique" (Demokratischer Imperativ) de facto dazu auf, den laut Umfragen drittplatzierten Bayrou nicht zu wählen. Nur eine Stichwahl zwischen dem konservativen Favoriten Nicolas Sarkozy und der in Umfragen zweitplatzierten Royal biete den Franzosen "eine echte Wahl", hieß es darin. Royal habe als einzige ein Programm, das sich dem von Sarkozy widersetze und sich auf eine regierungsfähige politische Kraft stütze. "Le Monde" gilt traditionell als linksliberal.
Wie das Wochenmagazin "Nouvel Observateur" am Vortag rief auch die linke Zeitung "Liberation" zur Wahl Royals auf. Wer stattdessen für Bayrou stimme, schließe zum zweiten Mal in Folge die Linke von der Stichwahl aus, schrieb "Liberation"-Chef Laurent Joffrin. Dann werde die Linke "von der Karte radiert". Am 21. April 2002 war der sozialistische Premierminister Lionel Jospin in der ersten Wahlrunde gegen den Rechtsextremisten Jean Marie le Pen ausgeschieden. Das Wochenblatt "Marianne" rief dagegen zur Wahl Bayrous auf, der seit langem eine politische Beeinflussung der großen französischen Medien beklagt.
Widersprüchliches Bild in Umfragen
Die letzten Umfragen zeichnen ein widersprüchliches Bild. In einer Erhebung des Institutes CSA für "Le Parisien" liegt Royal mit 26 Prozent nur noch einen Punkt hinter Sarkozy, Bayrou scheint mit 17 Prozent abgeschlagen auf Platz drei vor Le Pen mit 16 Prozent. Eine von "Le Figaro" veröffentlichte Umfrage des Institutes TNS-Sofres sieht Sarkozy mit 28 Prozent deutlich vor Royal mit 24 Prozent, Bayrou verkleinerte seinen Rückstand auf die Sozialisten auf 4,5 Punkte.
Ebenso weit gehen die Prognosen für die Stichwahl am 6. Mai auseinander. Den CSA-Forschern zufolge liegen Royal und Sarkozy beide bei 50 Prozent, bei TNS-Sofres hat der Exinnenminister einen Vorsprung von sechs Punkten. Für den Fall eines Duells Sarkozy/ Bayrou müsste sich der UMP-Chef dem Zentrumskandidaten deutlich mit 54 zu 46 Prozent geschlagen geben.
(apa/red)
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