Zahlreiche Mord- und Amok-Drohungen in
den USA: Gegen Schulen und Unis gerichtet
- Nachahmer: Bezug auf Blacksburg und Columbine
- Kritik an US-Medien wegen Ausstrahlung von Video
·Uni-Massaker war genau durchgeplant
Amokläufer sendet sogar Videos an TV-Sender!
·VIDEO: Die Botschaft des Massenmörders
Verstörende Aufnahmen des 23-jährigen Killers
·Seung-hui Cho sendet
Video an TV-Station!
Durchklicken: BILDER &
Zitate des Amokläufers
·BILDER: Die Opfer
des Virginia-Mörders
32 Menschen bei Uni- Massaker in USA getötet
·Amoklauf: Zahlreiche Warnhinweise vor Tat
Koreaner schockte seine Lehrerin mit Blut-Drama
·VIDEO vom blutigen Amoklauf in den USA!
33 Tote bei Massaker
an Universität in Virginia
·VIDEO: Tausende gedenken der Toten
Trauerfeier für Opfer des Amokschützen in Virginia
·BILDER: Trauerfeier für die Ermordeten
Bush besuchte Eltern & Freunde der Amok-Opfer
·Schrecklicher Amok- lauf an US-Universität
Über 30 Tote - Polizei im Großeinsatz: BILDER!
Drei Tage nach dem schlimmsten Schulmassaker in der Geschichte der USA hat ein 28-Jähriger in Kalifornien mehrere Städte mit der Drohung eines Amoklaufs in Angst und Schrecken versetzt. Schulen verriegelten ihre Türen, ließen die Jalousien herunter und hielten den ganzen Tag lang rund 22.000 Kinder und Jugendliche in den Gebäuden fest. Einen Tag lang blieb der gesamte Unterricht abgesagt, auch nachdem der Täter sich freiwillig der Polizei gestellt hatte. Kritiker warfen den US-Medien vor, mit der Ausstrahlung des Videos des Todesschützen von Virginia zur Nachahmung anzustiften.
Der 28-jährige Jeffrey Thomas Carney aus Yuba kündigte in einem Telefonat einen Massenmord an, der das Massaker in Virginia als harmlos erscheinen lassen werde. Dort hatte ein 23-jähriger Student 32 Kommilitonen und Lehrkräfte erschossen, bevor er sich selbst tötete. Zudem jährte sich zum achten Mal der Tag, an dem zwei Schüler in Columbine im Bundesstaat Colorado in einem Aufsehen erregenden Amoklauf zwölf Mitschüler und einen Lehrer erschossen hatten.
Der Kalifornier Carney behauptete, mit einem Sturmgewehr, selbst gebastelten Sprengsätzen und Gift ausgerüstet zu sein. Zugleich erklärte er, Polizisten zu einem tödlichen Schuss auf ihn provozieren zu wollen. Der Anruf ging offiziellen Angaben zufolge beim Pfarrer einer Methodisten-Gemeinde ein. Die Schulbehörde beschloss daraufhin die Sicherheitsmaßnahmen, denen sich die unmittelbar benachbarte Stadt Marysville anschloss. Der Unterricht in den Bezirken Yuba, Sutter und Butte wurde abgesagt. Die Region liegt rund 65 Kilometer nördlich von Sacramento, der Hauptstadt des Bundesstaates.
Den Polizeiangaben zufolge hat der drogenabhängige Carney ein langes Strafregister und war zum Zeitpunkt seiner Drohung auf Kaution aus der Haft entlassen. "Die Drohung war allgemein gefasst, nicht speziell gegen eine Schule. Deswegen hatten wir den Eindruck, dass wir eine breite Maßnahme ergreifen müssen", erklärte eine Behördensprecherin.
Kritik an Ausstrahlung des Virginia-Videos
Die großen US-Fernsehsender schränkten derweil die Ausstrahlung des Virginia-Videos ein, das den Todesschützen mit seinen Waffen und in aggressiven Posen zeigt. NBC kündigte an, das Video werde ab sofort "nicht mehr als zehn Prozent der Sendezeit" einnehmen. ABC teilte mit, nur noch Einzelfotos aus dem Video zu zeigen. Fox News erklärte, "wir sehen keinen Grund, die Öffentlichkeit weiterhin mit diesen verstörenden und kranken Bildern zu verletzen".
Experten und Angehörige der Opfer hatten den Medien vorgeworfen, Voyeurismus zu betreiben und zur Nachahmung geradezu einzuladen. Organisationen zur Überwachung der Medien wie "Common Sense Media" berichteten von zahlreichen Beschwerden. "Die Leute fragen sich, ob das nicht auch ein wenig diskreter hätte gehen können", sagte der Vereinschef Jim Steyer.
Experte: "Täter hat Ziel erreicht"
Auch in Österreich kritisierte Engelbert Washietl, Vorsitzender der Initiative Qualität im Journalismus, dass der Täter durch die umfangreiche Medienberichterstattung sein Ziel erreicht habe, "nämlich Öffentlichkeit zu bekommen". Ein Massenmedium wie das Fernsehen müsse sich vor der Veröffentlichung von Bildern und Videos überlegen, ob und in welchem Ausmaß es sich für Ziel und Zweck des Täters instrumentalisieren lässt.
Wenig begeistert zeigte sich der Journalist auch mit dem "völlig unsensiblen Umgang mit dem Content" und forderte mehr Rücksichtnahme für die Betroffenen, die durch die Veröffentlichung solcher Bilder erneut verletzt und aufgewühlt werden. Schließlich warnte Washietl auch vor der Nachahmungsgefahr. "Wenn Kapitalverbrecher ähnlich wie Dancing Stars über Nacht zu Medien-Heroes werden können, dann besteht die Gefahr, dass nicht nur passive Leser und Zuschauer in Bann geschlagen werden, sondern auch labile Menschen mit übersteigertem Geltungsbedürfnis."
(apa/red)
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