"Was ist denn jetzt wieder los?": Grazer Uni-Professor erlebte Bluttat hautnah mit!
- Gebürtiger Leobener lehrt seit 2004 an Virginia Tech
·"Absolut untypischer Verlauf" des Blutbads
Auch "Cobra"-Experten stehen vor einem Rätsel
Nur durch Zufall ist der Steirer Georg Reichard, Assistenzprofessor für Hochbau an der Virginia Tech, nicht in unmittelbarer Nähe des zweiten Tatorts gewesen. Das Institut des bis 2004 an der Grazer TU lehrenden gebürtigen Leobeners ist in ein Bürogebäude außerhalb des Campus umgezogen. Sonst hätte sich der Arbeitsplatz von Reichard in einem Nebenhaus befunden, wie der Steirer der APA erklärte.
"Wir sind natürlich geschockt", schilderte Reichard. Ihm und seiner aus Kärnten stammenden Frau gehe es aber gut. Vor allem verwahrte sich der Assistenzprofessor gegen Kritik an der Leitung der Universität. "Wenn bei uns irgendwo eine Schießerei ist, wird auch nicht gleich ein ganzes Viertel gesperrt", sagte er. Außerdem habe die Leitung der Virginia Tech entsprechend reagiert.
"Man hat uns tatsächlich informiert, bevor sich die zweite Schießerei ereignet hat", sagte Reichard. Als man von der zweiten Bluttat hörte, hätte er sich gefragt: "Was ist denn jetzt wieder los?" Kurze Zeit später seien sie angewiesen worden, in den Klassenräumen zu bleiben. Seine Frau habe er am Handy nur schwer erwischt. "Das Netz ist zusammengebrochen. Die Mail-Kommunikation hat besser funktioniert." Zudem baute die Virginia Tech eine Kommunikationsplattform über das Internet auf.
Unverständlich ist die Kritik an der Uni-Leitung für Reichard auch angesichts der örtlichen Gegebenheiten. Die beiden Tatorte liegen rund 30 Minuten Fußweg voneinander entfernt. "Ich vermute, dass der Täter das zweite Gebäude ganz gezielt ausgesucht hat", meinte der Assistenzprofessor. Es gebe auf seinem Weg andere, näher liegende und charakteristischere Häuser. Der Tatort sei ein relativ kleines Gebäude mit kleinen Hörsälen gewesen.
"Blacksburg ist eigentlich ein verschlafenes Städtchen. Die Hälfte des Ortsgebiets nimmt der Campus ein", schilderte der Steirer. Rund 28.000 Studenten sind an der Virginia Tech inskribiert. Auch gelte der Ort als Rückzugsgebiet für Familien, denen die Kriminalität in größeren Städten zu viel geworden sei. Auch seien kaum Drogendelikte zu verzeichnen. Vor einigen Monaten habe es nur eine Jagd nach einem entsprungenen Häftling gegeben, der aus dem Krankenhaus der Stadt geflüchtet sei. "Aber auch das ist kein Schwerkrimineller gewesen."
(APA/red)
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