Freitag, 20. April 2007

Organe von verstorbenen AKW-Mitarbeitern
entnommen: Britische Regierung prüft!

  • 65 Fälle aus den Jahren 1962 bis 1991 registriert
  • Gewebeproben auf Strahlungsfolgen untersucht

Wegen unerlaubter Organentnahmen bei verstorbenen Mitarbeitern britischer Atomanlagen hat die Regierung in London eine Untersuchung eingeleitet. Die Prüfung umfasse 65 Fälle aus den Jahren 1962 bis 1991, teilte Handels- und Industrieminister Alistair Darling dem Parlament mit.

Damit reagierte er auf die Vermutungen von Gewerkschaften, den Leichen von an Krebs gestorbenen früheren Mitarbeitern britischer Atomanlagen seien ohne Einwilligung der Angehörigen Organe und Gewebeproben entnommen und auf Strahlungsfolgen untersucht worden. Bei den meisten Fällen geht es laut Darling um ehemalige Mitarbeiter von Sellafield, der in Nordwestengland gelegenen größten britischen Atomanlage.

"Manche dieser Fälle sind 45 Jahre alt. Es ist heute einfach nicht möglich, sicher zu sein, ob die Untersuchungen korrekt waren oder nicht", legte der Minister dar. Von der halbstaatlichen Gesellschaft zur Betreibung der britischen Atomanlagen, BNFL, lägen nur "beschränkte" Berichte vor, die weder Auskunft über den Grund der Organentnahmen gäben noch darüber, ob ein Einverständnis der Familien eingeholt wurde. Diese Fragen müssten nun geprüft werden.

Die entnommenen Proben wurden laut Darling allerdings allesamt zerstört. Die Atom-Aufbereitungsanlage Sellafield gehört zu den ältesten nuklearen Anlagen der Welt und geriet seit ihrer Inbetriebnahme in den fünfziger Jahren immer wieder durch Störfälle in die Schlagzeilen. (apa/red)

20.4.2007 13:57