Freitag, 20. April 2007

Brutale Polizeigewalt: Russische Opposition geht nach Ausschreitungen vor Gericht

  • Anzeigen nach Festnahmen bei jüngsten Protesten
  • Russland: Polizei hat vielleicht "etwas überreagiert"

Nach den massiven Polizeieinsätzen geht die russische Opposition vor Gericht. Mehrere Anhänger der Oppositionsbewegung Anderes Russland sammelten derzeit Anzeigen von Betroffenen, die von den Einsatzkräften "angegriffen" worden seien, sagte der frühere Schachweltmeister Garri Kasparaw, einer der bekanntesten Oppositionspolitiker des Landes. Auch Menschenrechtsschützer seien aktiv. Die Anzeigen sollten dann beim Verfassungsgericht eingereicht werden.

Kasparow sagte, bei den Ausschreitungen in St. Petersburg seien etwa fünfzig Menschen verletzt worden. Der Opposition zufolge nahm die Polizei bei der Kundgebung in St. Petersburg rund 300 Menschen fest, in Moskau habe es sogar 700 Festnahmen gegeben. Die Weltgemeinschaft habe nicht deutlich genug auf "die Verbrechen" reagiert, welche die russische Führung bei den Demonstrationen begangen habe, kritisierte Kasparow. Allerdings sei die ausländische Kritik "besser als gar nichts", denn bisher habe es "schlicht gar keine Reaktionen" bei solchen Vorkommnissen gegeben.

Österreich, Deutschland, die EU-Kommission, die Vereinigten Staaten und Kanada hatten sich besorgt über das Vorgehen der russischen Polizei gezeigt. Die Einsatzkräfte hatten die beiden Kundgebungen in St. Petersburg und Moskau niedergeschlagen. Russland wehrte sich gegen die Kritik aus dem Ausland und erklärte, zum einen habe die Polizei womöglich "etwas überreagiert", zum anderen hätten die ausländischen Medien in ihren Berichten "übertrieben".

Kasparow sagte, für Ende Mai rufe die Oppositionsbewegung zu einer weiteren Kundgebung in St. Petersburg auf; im Juni solle es eine weitere Demonstration in Moskau geben. Er selbst werde vom russischen Geheimdienst verhört.

(apa/red)

20.4.2007 13:08