Neuer Schwerwasserreaktor im Bau: Iran verweigert IAEO-Inspektoren den Zutritt
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Der Iran verweigert der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IAEO) Inspektionen seines im Bau befindlichen Schwerwasserreaktors bei Arak. Er verstößt damit gegen Vereinbarungen, die Teheran selbst mit der in Wien ansässigen Atombehörde geschlossen hat. Dies stellt der stellvertretende IAEO-Generaldirektor Olli Heinonen in einem Schreiben an Teheran fest. Beim Betrieb von Schwerwasserreaktoren fällt in größeren Mengen das für den Bau von Atombomben verwendbare Plutonium an.
Wegen der Verweigerungshaltung Teherans erwägt die EU eine Verschärfung ihrer Sanktionen gegen den Iran. Israel forderte die USA zu einer härteren Gangart gegenüber Teheran auf. Der iranische Außenminister Manoucher Mottaki wiederum bekräftigte, sein Lande habe ein Recht auf sein Atomprogramm. Der Befehlshaber der iranischen Luftwaffe, Hussein Salami, rühmte indessen die "unbegrenzte Reichweite" seiner Raketenstreitmacht, wie die Nachrichtenagentur FARS weiter meldete.
In dem Brief Heinonens bestätigt dieser, dass der Iran inzwischen acht so genannte Kaskaden von Gaszentrifugen für die Urananreicherung in seiner Pilotanlage bei Natanz aufgebaut hat. Das sind etwa 1300 Zentrifugen. Ursprünglich wollte Teheran bis Ende März rund 3000 solcher Zentrifugen aufstellen. Wie der jetzt installierten Geräte tatsächlich funktionsfähig sind und wie viel Uran sie anreichern, geht aus dem Schreiben des IAEO-Vizedirektors allerdings nicht hervor.
Diplomaten äußerten sich angesichts der jüngsten Entwicklungen skeptisch. Derzeit werde nur eine geringe Menge Uran eingespeist und keines angereichert. Die Aktivitäten deuteten eher auf eine politische Aussage des Iran als auf technische Errungenschaften hin. Das Land wolle so seine Situation bei künftigen Verhandlungen im Atomkonflikt stärken. Auch dem Washingtoner Institut für Wissenschaft und Internationale Sicherheit zufolge, das die Aktivitäten des Iran im Zusammenhang mit dem Atomprogramm beobachtet, befindet sich die Urananreicherung in den neuen Geräten noch in der Anfangsphase.
Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hatte erklärt, Teheran besitze jetzt die Fähigkeit zur industriellen Produktion angereicherten Urans, mit dem - je nach Anreicherungsgrad - Brennstäbe für Kernkraftwerke, aber auch Atombomben gebaut werden könnten. Würden die iranischen Zentrifugen unter Volllast ein Jahr betrieben, könnte man mit dem gewonnenen Material nach Meinung von Experten theoretisch eine einzelne Atombombe bauen. Teheran bestreitet allerdings jede militärische Absicht bei seiner geplanten Urananreicherung.
Heinonen wirft in seinem Schreiben Teheran indirekt den Verstoß gegen ein rechtsverbindlich geschlossenes Sicherheitsabkommen mit der IAEO vor, in dem die Inspektion von im Bau befindlichen Atomanlagen zugesagt wird. Diese Weigerung zum jetzigen Zeitpunkt sei "nicht gerechtfertigt".
Angesichts der unnachgiebigen Haltung Teherans erwägt die Europäische Union eine Verschärfung der UN-Sanktionen gegen die Verantwortlichen des iranischen Atomprogramms. Bei einem Treffen der EU-Außenminister am kommenden Montag in Luxemburg wird unter anderem über eine Ausweitung von Reisebeschränkungen für Atommanager und Militärs beraten. "Wir werden die Reiserestriktionen der UN strikt umsetzen und können uns auch eine EU-eigene Liste von Reisebeschränkungen vorstellen", sagte ein EU-Diplomat in Brüssel.
Israel forderte die US-Regierung inzwischen zu einem strikten Vorgehen gegen das als existenzielle Bedrohung empfundene Atomprogramm des Irans auf. "Jedes Zögern wird als Schwäche interpretiert werden", sagte die israelische Außenministerin Tzipi Livni am Donnerstag dem US-Verteidigungsminister Robert Gates. Gates wiederum hatte Stunden zuvor erklärt, der diplomatische Druck auf den Iran, seine Urananreicherung einzustellen, zeige Erfolge. (apa/red)
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