Dienstag, 17. April 2007

UNO will Millionen irakischen Flüchtlingen helfen: 2-tägige Konferenz in Genf eröffnet

  • Ban: Nachbarländer müssen Grenzen offen halten

Millionen irakischer Flüchtlinge bedürfen nach Einschätzung der Vereinten Nationen dringend internationaler Hilfe. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte am Dienstag in einer aus New York übertragenen Rede zum Auftakt einer zweitägigen Konferenz in Genf, er setze auf internationale Unterstützung für die Flüchtlinge und Vertriebenen.

"Die Nachbarstaaten müssen ihre Grenzen offen halten, andere müssen weiterhin Asyl und andere Formen des Schutzes gewähren", sagte Ban weiter. An der vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) organisierten Konferenz nehmen Vertreter von mehr als 60 Ländern und 37 zwischenstaatlichen sowie 64 so genannten Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) teil.

Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres, warnte davor, die humanitäre Krise im Irak weiterhin zu vernachlässigen. Obwohl dem Irak-Krieg weltweit höchste Aufmerksamkeit in den Medien zuteil werde, bleibe das Vertriebenen- und Flüchtlingsdrama weitgehend im Dunkeln. "Das Ausmaß des Problems spricht für sich selbst", sagte Guterres.

Die größte Flüchtlingskrise in Nahost seit 1948 (israelisch-arabischer Krieg) hat einen von acht Irakern von zu Hause vertrieben: Rund 1,9 Millionen sind Vertriebene im eigenen Land, zwei weitere Millionen flohen ins benachbarte Ausland." Seit den Bombenanschlägen von Samarra im Februar 2006 wurden 750.000 Menschen vertrieben, jeden Monat kommen 50.000 dazu. 1,9 Millionen Menschen halten sich im Irak außerhalb ihrer Heimatorte auf, rund zwei Millionen Iraker sind geflohen, vornehmlich nach Syrien und Jordanien.

Zu der Konferenz in Genf werden Teilnehmer aus 60 Staaten erwartet. Das UNHCR erwartet sich insbesondere Zusagen für Hilfsgeldern in Höhe von 60 Millionen Dollar (rund 44,3 Millionen Euro), die allein für das laufende Jahr zur Betreuung der irakischen Flüchtlinge veranschlagt wurden.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat die USA und Großbritannien aufgefordert, sich aufgrund ihrer Sonderrolle im Irak-Konflikt für die Flüchtlinge des Landes einzusetzen. "Die USA und Großbritannien haben eine besondere Verantwortung, den Vertriebenen innerhalb und außerhalb des Irak zu helfen", erklärte die Organisation am Dienstag. "Sie haben einen Krieg geführt, der direkt tausende Tote, Angst und Leiden verursacht hat und der zu Vertreibungen geführt hat", sagte der HRW-Flüchtlingsbeauftragte Bill Frelick.

Der Irak-Krieg habe einen "sektiererischen Konflikt" nach sich gezogen, der zusätzlich in großem Ausmaß Gewalt, Verfolgung und Fluchtbewegungen verursacht habe, sagte Frelick weiter. Die Nachbarstaaten bauten zunehmend Hürden für die irakischen Flüchtlinge auf, so dass den Irakern keine Fluchtmöglichkeiten blieben.

17.4.2007 13:27