Dienstag, 17. April 2007

Italienischer Agent im Irak erschossen: Prozess gegen US-Soldat wurde vertagt

  • Italiens Außenminister D'Alema verlangt Klarheit

Der Prozess gegen den US-Soldaten Mario Lozano, der die Todesschüsse nach der Freilassung der Journalistin Giuliana Sgrena aus einer einmonatigen Geiselhaft im März 2005 abgefeuert und dabei den italienischen Geheimagenten Nicola Calipari im Irak getötet haben soll, ist in Rom kurz nach der Eröffnung vertagt worden. Die Richter folgten Anträgen der Anwälte Lozanos und der Nebenklage. Ein Verteidiger Lozanos, der nicht vor Gericht erschien, erklärte, sein Mandant habe von dem Verfahren gegen ihn nichts gewusst.

Staatsanwalt Franco Ionta wies diesen Vorwurf zurück. Die italienische Justiz habe "jeden Weg" der Benachrichtigung versucht. Dabei habe sie lediglich die Antwort erhalten, für die Vereinigten Staaten sei der Fall abgeschlossen.

Sgrenas Anwalt Alessandro Gamberini bat um die Verschiebung des Verfahrens, um sicherzustellen, dass das US-Verteidigungsministerium eine Benachrichtigung erhalten habe, in der dem Pentagon die moralische Verantwortung für den Vorfall gegeben wird. Lozanos Verteidiger Alberto Biffani bat um zusätzliche Zeit, um sich in den Fall einarbeiten zu können. Der US-Soldat hatte Biffani erst kürzlich mit seiner Verteidigung beauftragt.

Daraufhin beschlossen die Richter eine Vertagung des Prozesses auf den 14. Mai. Lozano soll laut Anklage auf das Auto geschossen haben, in dem Calipari die Journalistin nach deren Freilassung zum Bagdader Flughafen begleitete. Der Prozess fand im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses Rebibbia in Rom statt. Vor Gericht war auch die Journalistin Sgrena anwesend, die auf Schadenersatz angeklagt hat. "Wir haben demonstriert, dass wir die Immunität durchbrechen können, die den US-Soldaten normalerweise überall auf der Welt garantiert wird", sagte sie.

Außenminister Massimo D'Alema betonte, er erwarte vom Prozess die Wahrheit über die Ereignisse in Bagdad am 4. April 2005. "Der Wunsch Italiens ist, dass mit diesem Prozess die Wahrheit festgestellt wird", betonte D'Alema. Er bemängelte die geringe Kooperationsbereitschaft auf US-Seite. "Die USA haben eine andere Ansicht. Sie halten den Vorfall für geklärt und behaupten, dass es keine Verantwortungen von ihrer Seite gibt", sagte der Minister.

Lozano selbst hatte sein Vorgehen erst vergangene Woche in einem Interview mit der "New York Post" gerechtfertigt. Das Auto mit Sgrena habe sich dem US-Kontrollpunkt zu schnell genähert. Lozano sagte, er habe so gehandelt, wie es jeder Soldat getan hätte, der nicht sterben wolle. Auch die US-Behörden halten daran fest, dass der US-Soldat sich vorschriftsmäßig verhalten habe. Die italienischen Ermittler sehen die Ursache für Caliparis Tod im Fehlverhalten eines unerfahrenen und überforderten US-Soldaten.

(apa/red)

17.4.2007 14:18