Donnerstag, 24. Mai 2007

'Wiener Aktionist' Nitsch hat jetzt eigenes
Museum in Mistelbach: "Sehr, sehr dankbar"

  • Pro Jahr sollen bis zu 30.000 Besucher kommen

Er sei "sehr, sehr dankbar" und stehe vor einem "großen Tag", erklärte Hermann Nitsch in einem Pressegespräch anlässlich der Eröffnung des ihm und seinem Werk gewidmeten Museums im neuen Museumszentrum Mistelbach (MZM). Geschäftsführerin Romana Schuler erwartet 30.000 Besucher jährlich.

Das MZM ist auf dem Areal der ehemaligen Pflugfabrik Heger in der Weinviertler Bezirksstadt entstanden. Johannes Kraus und Michael Lawugger haben das Ensemble in weniger als einem Jahr Bauzeit zu einer klosterhaften Museumsanlage transformiert. Dem Werk Nitschs ist etwa ein Drittel des 6.000 Quadratmeter großen Areals gewidmet. Die Kosten des Projektes beliefen sich auf fünf Mio. Euro, hieß es bei dem Pressegespräch.

Das Hermann Nitsch Museum sei gleichermaßen "Herzstück" und erste Stufe im MZM, sagte Landeshauptmann Erwin Pröll. Die Impulse, die von hier ausgehen werden, seien "heute noch gar nicht abschätzbar". Im MZM werde ein Künstler mit Weltruf "installiert", der sich mit dem Weinviertel "mit starker Emotion verbunden fühlt". Nitsch selbst, der in Prinzendorf lebt und arbeitet, bestätigte dies, indem er nicht nur die "wunderbare Landschaft" pries, sondern die Region gar als "Mittelpunkt der Welt" bezeichnete.

Für Bürgermeister Christian Resch ist mit dem MZM ein "großer Wurf" gelungen. Nitsch sei von den Räumen nicht nur sofort begeistert gewesen, er habe sich auch persönlich stark eingebracht. In den vergangenen Wochen habe der Künstler "Tag und Nacht hier verbracht". Resch nannte 20.000 bis 25.000 Besucher pro Jahr als "untere Grenze".

Im Rahmen der Erstpräsentation im MZM werden u.a. folgende Arbeiten von Hermann Nitsch zu sehen sein: etwa 150 Bilder und Schüttbilder aus den Jahre 1956 bis 2007, 75 Grafiken aus 1983 bis 2007, je 80 Messgewänder und Schreine sowie 500 Fotografien und ausgewählte Videos, die zahlreiche Aktionen des Künstlers dokumentieren. Ebenfalls präsentiert werden in einem eigenen Bereich der Asolo Raum - Relikte und Werkzeuge des Orgien-Mysterien-Theaters - aus dem Jahr 1973 und das Geruchs- und Geschmackslabor von Hermann Nitsch. Leihgaben stammen nicht nur von Nitsch selbst, sondern u.a. aus New York, Verona und München.

Im MZM werden in den kommenden Monaten auch die "den anderen Persönlichkeiten und Aspekten des Weinviertels gewidmeten Flächen", weiters ein Internationales Messwein-Archiv, die NÖ Malakademie unter Leitung von Günther Esterer und schließlich 2008 der Dionysische Themenweg eröffnet.

Alle Infos unter http://www.hermann-nitsch-museum.at

24.5.2007 10:26