"Austrian Music Ambassador Network":
Neues Promo-Netzwerk für heimische Musik
- Vereinigun soll CD-Verkäufe im Ausland ankurbeln
- Major- und Independent-Labels arbeiten zusammen

Österreich ist bekanntlich ein Musikland, und als solches unterhält es nun auch Musikbotschafter: Zur Eroberung wichtiger Musikmärkte - vorerst im Visier stehen Großbritannien und Deutschland - wurde ein "Austrian Music Ambassador Network" (AMAN) ins Leben gerufen, das ausgewählte Veröffentlichungen heimischer Labels in einer Promotion- und Imageoffensive in ausgewählten Zielmärkten besser platzieren soll.
Österreichische Musik habe zwar "Vielfalt als Stärke", jedoch sei die "Kleinheit oft ein Problem, sich am Markt durchzusetzen", so Vizebürgermeisterin Renate Brauner. Im Dezember haben sich daher 17 Labels verschiedenster Ausrichtungen und Größe zu AMAN zusammengeschlossen. Die Label-Vereinigung wurde vom Bund und der Stadt Wien und deren Fördergesellschaften wie "departure" und das "austria wirtschaftsservice" mit einer Anschubfinanzierung von insgesamt 400.000 Euro gefördert. Geleitet wird AMAN von Heidi List und Daniel Hantigk. Ziel sei, die Mehrheit der "100 bis 150 wirtschaftlich relevanten Labels in Österreich" unter das AMAN-Dach zu bringen, so Hantigk.
Internationalisierungskampagne
Die internationale Bekanntmachung des österreichischen Musikschaffens soll über drei Säulen laufen: Die Botschafter, laut Presseunterlagen "Musikszenekenner und PR-Profis" in den jeweiligen Ländern, sollen vor Ort Stimmung machen. Eine webbasierte Datenbank für Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen wird erstellt. Eine Verkaufs-Webplattform soll die internationale Zusammenarbeit mit Industrie- und Medienpartnern erleichtern.
In den Nutzen dieser Plattform sollen "Priority-Releases" kommen, auf die sich eine AMAN-interne Jury einigt. Die Labels wollen "gemeinsam entscheiden, welche österreichische Veröffentlichungen es international schaffen können, und auf die konzentrieren wir uns gemeinsam", sagte Stefan Dorfmeister, Label Manager von G-Stone Recordings und AMAN-Obmann.
"Priority Releases
Die ersten fünf "Priority Releases" wurden Ende März gekürt. Davon stammen zwei vom Major-Label Universal Music ("Love & Light" von Count Basic und ein unbetiteltes Album von Iriepathie), die drei weiteren von kleinen Labels: Rodney Hunters "Centerville" (G-Stone Recordings), "Paroli" von Texta (Geco Tonwaren) und "The Americas" von Waldeck (Dope Noir). Für diese Releases übernimmt AMAN einen Teil der Kosten, die für die internationale Promotion anfallen. Zwei weitere Einreichungen wurden als Priority Releases mit Vorbehalt nominiert (Diknu Schneeberger Trio, "Rubina" auf Jive Music; Parov Stelar, "Shine" auf Etage Noir Recordings).
Kritik: Internationale Konzerne mitgefördert
Kritik daran, dass mit den kleinen Labels auch internationale Konzerne mitgefördert werden, wollten die Beteiligten nicht gelten lassen. Es sei bei der Wirtschaftsförderung "ganz normal, dass internationale Konzerne mitgefördert werden, wenn sie am Standort sinnvolle Aktivitäten setzen", sagte Departure-Chef Norbert Kettner. "Majors und Independents in Österreich haben die gleichen Sorgen", sagte Dorfmeister: Den kleinen Absatzmarkt und die enge Bindung an den deutschen Markt. AMAN soll sich aus eigenen Kräften finanziell tragen (u. a. durch Mitgliedsbeiträge und die Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg der Releases), die Initiative wird nach dem zweiten und dem dritten Jahr evaluiert.
Finanzstadtrat unterstützt
Es sei "selten, dass ein Finanzstadtrat sagt, wir geben für etwas gerne Geld aus", schloss Brauner. Bei AMAN sei dies jedoch der Fall. In den kreativen Branchen sei in den vergangenen fünf Jahren ein Beschäftigungswachstum von durchschnittlich sechs Prozent verzeichnet worden, im Gegensatz zu zwei Prozent insgesamt.
(apa/red)
