Montag, 9. April 2007

McLaren-Double Kampfansage an Ferrari:
Jetzt fehlt 'Tiger' Hamilton nur noch der Sieg

  • Junger Engländer sorgt für Furore in der Formel 1
  • Erster Doppelsieg für Mercedes seit 19 Monaten

Mit Weltmeister Fernando Alonso ist der Erfolg zu McLaren Mercedes zurückgekehrt. Nach dem sieglosen Jahr 2006 feierten die "Silberpfeile" im Grand Prix von Malaysia dank Ex-Renault-Fahrer Alonso den ersten Sieg seit 18 und dank Shooting-Star Lewis Hamilton das erste Double seit 19 Monaten. Damit hat McLaren-Mercedes den in Melbourne noch überlegenen Ferraris den Kampf angesagt.

Die Italiener hatten nach dem Auftakt-Sieg von Kimi Räikkönen in Melbourne und den starken Trainings-Leistungen von Felipe Massa beim zweiten Saisonrennen in Sepang auch in Malaysia als klare Favoriten gegolten. Doch mit ihren Traumstarts tricksten dort Alonso und Hamilton die Ferraris noch vor der ersten Kurve aus und fuhren dank perfekter Teamarbeit den ersten Doppelsieg seit September 2005 nach Hause.

Während Doppel-Weltmeister Alonso damit schon im zweiten Rennen für seinen neuen Arbeitgeber erstmals gewann und seinen 16. GP-Sieg feierte, übertrifft der mit vielen Vorschuss-Lorbeeren bedachte Hamilton weiterhin alle Erwartungen. Der 22-jährige GP2-Meister düpierte am Start beide Ferraris und fuhr dann im folgenden Nahkampf wie ein alter Fuchs.

Massa ausgetrickst
Den von der Pole gestarteten Massa, der vergangenes Jahr noch bei Rekord-Weltmeister Michael Schumacher in die Schule gehen durfte und 2006 zwei Saisonsiege gefeiert hatte, ließ Hamilton sogar wie einen Anfänger aussehen. "Er hat sich austricksen lassen. Es tut mir Leid für ihn", meinte Hamilton verschmitzt. Der heißblütige Brasilianer hatte sich schon in der fünften Runde bei einem missglückten Überholversuch mit einem kapitalen Verbremser selbst in die Wiese geschickt. Und das, obwohl Massa seinen bereits 72. und Hamilton seinen erst zweiten Grand Prix fuhr.

"Tiger Woods der Formel 1"
Der Engländer, der Bernie Ecclestones Traum ("Was uns fehlt, ist eine Frau, ein Chinese und ein Schwarzer") vom ersten dunkelhäutigen Piloten in der Formel 1 erfüllt, hat sich damit endgültig als neuer "Wunderknabe" der Motorsport-Königsklasse etabliert. Schon vor dem Saisonstart hatte man ihn wegen seiner Hautfarbe zum "Tiger Woods der Formel 1" hochstilisiert und schon beim Debüt in Australien übertraf Hamilton als Dritter prompt alle Erwartungen.

Sieg keine Sensation mehr
In Malaysia wurde er nun wie Woods in Augusta Zweiter, für den aus der Karibik stammenden Hamilton war das aber ein Riesenerfolg. Selbst der erste Sieg am kommenden Sonntag in Bahrain wäre nun wohl keine Sensation mehr. Hamilton wäre der erste dunkelhäutige GP-Gewinner. "Ich weiß, dass dies der nächste logische Schritt wäre", zeigte Hamilton mit diesem heiklen Thema keine Berührungsängste. Er nahm aber auch sofort den Notausgang. "Ich muss Schritt für Schritt denken. Und auch daran, dass es in erster Linie um das Team geht", betonte der "Rookie".

Lauda: "Bester Neuling aller Zeiten"
Englische Zeitungen spekulieren schön längst, dass Hamilton, den Niki Lauda in Melbourne "den besten Neuling aller Zeiten" und Stirling Moss als "Genie" bezeichnet hatte, bei anhaltender Erfolgskurve punkto Werbewirksamkeit alle in den Schatten stellen könnte. Hamiltons Vater Anthony weinte in Sepang Freudentränen. "Ich bin im Moment der stolzeste Vater der Welt."

Für Hamilton spricht auch, dass er im vielleicht derzeit besten Auto überhaupt sitzt, während bei Ferrari der anfängliche Reifen-Vorteil zu schwinden beginnt und womöglich auch das Verbot der flexiblen Unterböden Auswirkungen zeigt. Schon beim GP in Bahrain weiß man mehr.

Alonso geht auf Hattrick los
Alonso hat mit Renault die vergangenen zwei Rennen in Bahrain gewonnen und geht somit nicht nur beim Wüsten-Rennen in Sakhir sondern als neuer WM-Leader nun auch auf den Titel-Hattrick los. "Für zwei Teams zu gewinnen, ist etwas Besonderes", sagte Alonso nach der "Wiedergeburt" der Silbernen, für die er vergangenes Jahr schon zu einem Zeitpunkt unterschrieben hatte, als McLaren gerade in eine Krise gestürzt war. Für McLaren wäre es der erste Weltmeistertitel seit 1999 durch den Finnen Mika Häkkinen.

"Eine wunderbare Überraschung, was wir in so kurzer Zeit erreicht haben", lachte sich deshalb der spanische Weltmeister in Sepang ins Fäustchen. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug meinte: "Eine erstklassige Leistung von Fernando und Lewis. Aber das war kein Abstauber-Sieg. Wir haben im Winter geschuftet wie noch nie."

(apa/red)

9.4.2007 16:47
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