Montag, 9. April 2007

Zach Johnson siegt bei 71. US Masters in Augusta: Topfavorit Tiger Woods zweiter

  • Außenseiter-Sieg: Größte Masters-Überraschung
  • Ebenfalls 2. Platz für Südafrikaner Goosen & Sabbatini

Außenseiter Zach Johnson hat in Augusta den fünften Masters-Triumph des Golf-Weltranglistenersten Tiger Woods vereitelt. Am Ende hatte der 31-Jährige mit einem Gesamtscore von 289 (eins über Par), dem höchsten Siegerresultat seit 51 Jahren, zwei Schläge Vorsprung auf seinen US-Landsmann, der sich mit den Südafrikanern Retief Goosen und Rory Sabbatini (alle 291) Platz zwei teilen musste.

Johnson, gläubiger Christ, hatte nach seinem unverhofften Coup Tränen in den Augen. "Weil heute Ostern war, hat Jesus mich bei jedem Schritt begleitet. Ich spürte ihn, es war wunderbar", erklärte der Gewinner. Die Analyse von Woods fiel dagegen profaner aus. Der Superstar verwies auf jene beiden Runden, die er mit je zwei Bogeys auf den letzten beiden Löchern abgeschlossen hatte: "So etwas kann man sich nicht leisten, wenn man ein Major-Turnier gewinnen will."

Ein einziger Sieg auf der US PGA Tour aus dem Jahr 2004, die Nominierung für das (von den Europäern schwer geschlagene) US-Ryder-Cup-Team 2006, ein 17. Platz als bestes Ergebnis in einem Grand-Slam-Turnier - das waren alle Referenzen, mit denen Zach Johnson, der bescheidene und unauffällige Golfprofi aus dem US-Bundesstaat Iowa, zum prestigeträchtigsten Golf-Turnier der Welt gefahren war.

Auf dem Par-72-Kurs des Augusta National Golf Club, der wegen seiner neuen Länge von über 6.800 Metern und der trockenen, schnellen Greens nie derart schwierig zu spielen war, nutzte Johnson eine Chance, wie er sie vielleicht nie mehr bekommen wird. Sein Triumph, der ihm neben einem Preisgeldscheck über 1,26 Millionen Dollar (942.197 Euro) auch das berühmte Grüne Jackett einbrachte, war die größte Masters-Überraschung, seit Lokalmatador Larry Mize 1987 mit einem unvergesslichen Chip aus 40 Metern die hochfavorisierten Greg Norman (AUS) und Severiano Ballesteros (ESP) im Stechen niedergerungen hatte.

Einen Schlag hinter dem zweitplatzierten Woods und zwei Schläge hinter dem nach drei Runden führenden Australier Stuart Appleby (am Ende Siebenter) in die Schlussrunde gestartet, brachte sich Johnson am 8. Loch mit einem glücklichen Chip-in zum Birdie aus rund 15 Metern in eine günstige Position. Mit drei weiteren Birdies zwischen den Löchern 13 und 16 ging er mit drei Schlägen Vorsprung an die Spitze. Auch durch ein Bogey am 17. Loch geriet sein Sieg nicht mehr in Gefahr.

Woods, der seinen insgesamt 13. Major-Titel angepeilt hatte, war während der vier Wettkampftage weit von seinem besten Spiel entfernt. Er verzog viele Abschläge und ließ auch mit dem Putter die gewohnte Souveränität vermissen. Dass er dank unbändigem Kampfgeist dennoch bis fast zuletzt um den Sieg mitspielte, spricht wiederum für die außergewöhnlichen Fähigkeiten des weltbesten Golfers.

Die Schlussrunde hatte für Woods mit drei Bogeys und nur einem Birdie auf den ersten zehn Löchern nicht gut begonnen, mit einem grandiosen Eagle (2 Schläge unter dem Par) am 13. Loch verbesserte er sich aber auf Platz zwei. Im Wissen, gegenüber dem vor ihm spielenden Zach Johnson aufholen zu müssen, nahm Woods am 15. Loch, dem letzten Par 5 des Platzes, viel Risiko auf sich, attackierte das Green aus ungünstiger Lage und schlug den Ball ins Wasser. Das Par schaffte er dennoch. Die letzte realistische Chance vergab Woods mit einem misslungenen Birdie-Putt am 16. Loch.

Vorjahressieger Phil Mickelson, der in Augusta auch schon 2004 gewonnen hatte, rechnete sich mit vier Schlägen Rückstand nach drei Tagen auch noch Chancen aus. Diese schwanden jedoch schon mit einem Triple-Bogey am 1. Loch. Der US-Amerikaner wurde mit einem Gesamtscore von 299 "strokes" schließlich 24.

Zuletzt hatte der US-Amerikaner Jack Burke jr. 1956 mit dem hohen Gesamtscore von einem Schlag über Par in Augusta triumphiert, ebenso wie sein Landsmann Sam Snead 1954. Die Europäer müssen in Augusta im neuen Jahrtausend weiter auf den ersten Sieg warten, der Spanier Jose Maria Olazabal (1999) ist der bisher letzte Profi vom alten Kontinent, der in Georgia triumphiert hat. Diesmal landete der Engländer Justin Rose als bester Europäer auf Platz fünf.

(apa/red)

9.4.2007 11:44