Dienstag, 17. April 2007

Knapp vor Präsidenten-Wahl in Frankreich: Sarkozy & Royal liegen in Umfrage gleichauf

  • Konservativer Kandidat büßt seinen Vorsprung ein
  • 40 Prozent aller Wähler sind noch unentschlossen

Wenige Tage vor der Präsidentenwahl in Frankreich hat die sozialistische Kandidatin Segolene Royal erstmals seit Wochen wieder zum rechtskonservativen Kandidaten Nicolas Sarkozy aufgeschlossen. Nach einer Umfrage des Instituts CSA-Cisco könnte sie in einer Stichwahl am 6. Mai wie Sarkozy mit 50 Prozent der Stimmen rechnen. Royal legte gegenüber der Vorwoche einen Prozentpunkt zu, Sarkozy verlor einen Punkt.

Bei der Frage nach der Wahlpräferenz in der ersten Runde am Sonntag hat Exinnenminister Sarkozy, der sich zunehmend der rechten Wählerschaft zuwendet, mit 27 Prozent weiter die Nase vorn. Exfamilienministerin Royal kletterte zwei Punkte nach oben auf 25 Prozent. Der Abstand auf den drittplatzierten François Bayrou von der Zentrumspartei UDF vergrößerte sich in einer Woche um vier Prozentpunkte, er könnte am 22. April mit 19 Prozent rechnen. Den Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen von der Nationalen Front sieht die Umfrage, die die Zeitung "Le Parisien" veröffentlichte, bei 15,5 Prozent.

Laut CSA wollen sich in der ersten Wahlrunde 21 Prozent der Franzosen der Stimme enthalten oder ungültige Wahlzettel abgeben. In der zweiten Runde wären es 24 Prozent. Die Umfrage erfolgte am 16. April unter 1006 Erwachsenen, die nach einem Quotensystem ausgewählt wurden.

In einer weiteren Erhebung, die das Institut LH2 für die Zeitung "20 Minutes" erstellte, liegt Sarkozy in der Stichwahl mit 51 Prozent vor Royal in Führung, sein Vorsprung schmolz um zwei Punkte. Der Umstand, dass Royal wieder zulegen kann, während Bayrou schwächer zu werden scheint, deutet darauf hin, dass sich die Franzosen am Wahltag wieder nach dem Rechts-links-Schema richten werden. Seit 25 Jahren sitzt entweder ein Sozialist oder ein Neogaullist im Elysee-Palast.

Sarkozy mit Fokus auf nationaler Identität
UMP-Chef Sarkozy konzentriert sich im Endspurt vor der ersten Wahlrunde ganz auf das Thema nationale Identität. Am Montag stattete er dem Grab von General de Gaulles einen Besuch ab. Dieser sei Zeuge einer Zeit, in der Frankreich nicht an sich selbst gezweifelt habe. Für den Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen interessiere er sich nicht, sagte Sarkozy in einem Zeitungsinterview. "Für seine Wähler schon."

Ungeachtet der positiven Tendenz in den Umfragen ist das Lager der Sozialisten weiter beunruhigt. Royal rief die Wähler der Linken zu einer "bewussten" Stimmabgabe auf. Ihre Sorge: Die Wahl des Zentrumspolitikers Bayrou oder eines der anderen Kandidaten könnte sie um den Einzug in die zweite Runde bringen, wie vor fünf Jahren den PS-Kandidaten Lionel Jospin.

Einer am Dienstag in der Zeitung "Liberation" veröffentlichten Umfrage zufolge haben die Franzosen die Leidenschaft für die Politik wiederentdeckt: 67 Prozent der Bürger bekunden demnach ihr Interesse an dem derzeitigen Wahlkampf. Vor der Wahl 2002 waren es nur 42 Prozent. Hintergrund dieser Entwicklung ist offenbar, dass es in den vergangenen 26 Jahren nur zwei Männer gab, die die Geschicke des Landes im höchsten Amt des Staates bestimmt haben: der Sozialist Francois Mitterrand und der konservative, scheidende Präsident Jacques Chirac. In diesem Wahlgang dominieren dagegen neue Gesichter.

(apa/red)

17.4.2007 14:25