Genetische Vorherbestimmung wird zum Thema: Für Sarkozy Pädophilie angeboren
- Aussagen sorgen für einen Sturm der Empörung
- Phillipe de Villiers: "Ein Rückfall in eine andere Ära"
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Im französischen Präsidentschaftswahlkampf hat der konservative Kandidat Nicolas Sarkozy mit Aussagen über eine genetische Vorherbestimmung von Kinderschändern und Selbstmördern einen Sturm der Empörung ausgelöst. In einem Interview für das Magazin "Philosophie" sagte der Chef der bürgerlichen Mehrheitspartei UMP und Ex-Innenminister: "Ich neige zu der Annahme, dass man als Pädophiler geboren wird."
Es sei ein Problem, dass man "diese Krankheit noch nicht behandeln kann". Auch der Selbstmord von bis zu 1300 Jugendlichen pro Jahr habe eine genetische Ursache: "Sie bringen sich nicht um, weil ihre Eltern sich nicht gut um sie kümmern."
"Rückfall in andere Ära"
Der Kandidat der zentrumsbürgerlichen UDF, Ex-Erziehungsminister François Bayrou, warf Sarkozy vor, seine Einstellungen seien für eine Demokratie zu Beginn des 21. Jahrhunderts unangemessen. Der rechtsnationalistische Kandidat Philippe de Villiers (MPF) sprach von einem "Rückfall in eine andere Ära", Sarkozy rede der Eugenik das Wort. Auch die katholische Kirche reagierte entrüstet. Am beunruhigendsten sei die Idee, dass man sein Schicksal nicht beeinflussen könne, sagte der Pariser Erzbischof André Vingt-Trois.
"Wollte nur Debatte anregen"
Sarkozy versuchte sich zu rechtfertigen. Er habe mit seinen Aussagen lediglich eine Debatte anregen wollen, sagte er dem Fernsehsender France-2. "Welcher Prozentsatz ist angeboren, welcher erworben? Ich habe darauf keine Antwort, aber lasst uns darüber diskutieren." Wissenschaftlich ist die Frage, ob eine pädophile Ausrichtung angeboren oder erworben wird, nicht geklärt. Die meisten Experten gehen von einem Zusammenspiel genetischer, psychologischer und sozialer Faktoren, etwa traumatischen Kindheitserfahrungen, aus. Es gibt tiefenpsychologische Verfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen, deren Wirksamkeit ist aber umstritten.
18 Millionen noch unentschlossen
Am Wochenende wussten 18 Millionen Wahlberechtigte noch nicht, welchem der 12 Kandidaten sie am 22. April ihre Stimme geben werden. Diesen sehr hohen Anteil von Unentschiedenen - rund 42 Prozent der Wahlberechtigten - ergaben zwei am Ostersonntag veröffentlichte Umfragen.
(apa/red)
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