Volle Gewalt gegen Demonstranten: Kreml- Kritiker Kasparow nach Stunden freigelassen

  • Polizei löste eine Oppositionskundgebung brutal auf
  • BILDER: Gummiknüppel gegen Demonstranten

Stunden nach seiner Festnahme ist der Kreml-Kritiker und frühere Schachweltmeister Garry Kasparow wieder freigelassen worden. Ein Gericht verurteilte ihn wegen der Teilnahme an einer verbotenen Veranstaltung zu einer Geldstrafe von 1.000 Rubel (29 Euro). Kasparow wurde während einer Oppositionskundgebung in Moskau von der Polizei festgenommen. Die Polizei ging mit voller Gewalt gegen die Demonstranten vor. Nach offiziellen Angaben wurden 250 Menschen festgenommen.

Kasparow hat sich in den vergangenen Monaten als einer der prominentesten Kritiker von Präsident Wladimir Putin profiliert. Er hat angekündigt, die Protestaktionen vor der Parlamentswahl im Dezember und der Präsidentschaftswahl im März zu forcieren.

Massive Gewalt gegen Demonstranten
Mit massiver Gewalt hat die russische Polizei eine nicht genehmigte Oppositionskundgebung in Moskau aufgelöst und mindestens 250 Demonstranten festgenommen. "Sie haben auch auf Großmütter und Pensionisten eingeschlagen", sagte der Parlamentsabgeordnete Wladimir Ryschkow. Einem japanischen Journalisten fügten Polizisten mit Schlagstöcken schwere Kopfverletzungen zu.

Ein Behördensprecher bezeichnete das Vorgehen gegen den so genannten Marsch der Dissidenten als "angemessen". An der Protestkundgebung gegen die Politik von Präsident Wladimir Putin nahmen mehrere tausend Menschen teil. An anderen Orten im Stadtzentrum beteiligten sich ebenfalls einige tausend Menschen an Gegendemonstrationen, die von kremlnahen Jugendorganisationen organisiert worden waren.

Blutige Szenen
Vor dem Polizeigebäude, in dem Kasparow verhört wurde, gab es blutige Szenen. "Die Sicherheitskräfte griffen sich einzelne Demonstranten heraus und schlugen mit brutaler Gewalt auf sie ein", berichtete eine Augenzeugin. Etwa 100 bis 200 Menschen forderten die Freilassung Kasparows sowie anderer festgenommener Oppositionsanhänger und Journalisten. "Nieder mit dem Polizeistaat" und "Wir wollen ein anderes Russland", riefen die Demonstranten.

Die Opposition wirft Putin eine zunehmende Einschränkung der Menschenrechte vor den Parlaments- und Präsidentenwahlen im Winter vor. Das Oppositionsbündnis Das andere Russland rief auch in der Stadt St. Petersburg trotz Behördenverbots zu einem Marsch der Dissidenten für diesen Sonntag auf.

250 Menschen festgenommen
Nach offiziellen Angaben wurden in Moskau 250 Menschen in Polizeigewahrsam genommen, wie der Radiosender "Echo Moskwy" berichtete. Mehrere russische und ausländische Journalisten wurden vorübergehend festgenommen, darunter auch zwei Mitarbeiter des deutschen Fernsehsenders ZDF. "Der Machtapparat handelt schwer paranoid", kritisierte Putins früherer Wirtschaftsberater Andrej Illarionow den Einsatz von offiziell 9000 Polizisten in Moskau.

Der Moskauer Polizeisprecher Viktor Birjukow rechtfertigte das Vorgehen der Einsatzkräfte. Alle Beamten hätten sich streng an die russischen Gesetze gehalten, sagte Birjukow. Vom Puschkin-Platz zogen einige tausend Menschen mit Fahnen der Opposition zum etwa zwei Kilometer entfernten Turgenjew-Platz. Die Polizei drängte einen Teil der Demonstranten in eine Seitenstraße ab. Dort kam es zu zahlreichen Festnahmen.

Polizei löste Kundgebung auf
Am Turgenjew-Platz, wo die Behörden eine Oppositionskundgebung erlaubt hatten, versammelten sich etwa 1000 Demonstranten. Der frühere Regierungschef Michail Kasjanow forderte faire Parlaments- und Präsidentenwahlen. "Wir erreichen einen Kurswechsel mit Wahlen. Aber es müssen ehrliche und freie Wahlen sein und nicht nur deren Nachahmung", sagte Kasjanow auf dem Turgenjew-Platz. Kurze Zeit später drängte die Polizei die Zuhörer vom Platz und erklärte die Veranstaltung für beendet.

(apa/red)

14.4.2007 22:18
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