"Noch viel Zeit für Diplomatie": Weiterhin Skepsis gegenüber iranischer Atomkapazität
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Bezüglich der iranischen Nuklearkapazitäten herrscht weiterhin Skepsis. Nach Schätzung der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) könnte der Iran frühestens in "vier bis sechs Jahren" eine Atombombe bauen. Ein Mitglied der Führung in Teheran, der Vizechef der iranischen Atomenergiebehörde, Mohammed Saidi, erklärte dagegen, bevorstehende IAEO-Kontrollen würden bisherige iranische Angaben bestätigen, wonach das Land angereichertes Uran "im industriellen Maßstab" herstellen könne.
"Es gibt also noch viel Zeit, zu verhandeln", sagte IAEO-Sprecherin Melissa Fleming im Deutschlandfunk. Die Sprecherin der in Wien ansässigen Atomenergie-Organisation stellte zugleich fest, es gebe noch keine sichtbaren Belege, dass Teheran sich für den Bau einer Atombombe entschieden habe. Der Iran habe das Recht auf friedliche Nutzung der Nuklearenergie. Es gebe aber "sehr, sehr viel Misstrauen". So habe Teheran noch nicht alle Hintergründe seines ehemaligen Atomprogramms erklärt. Der Iran habe auf illegalen Märkten im Ausland eingekauft und Experimente durchgeführt. Fleming forderte das Land zu mehr Transparenz auf: "Wenn Sie nichts zu verbergen haben, zeigen Sie uns das."
Nach Angaben der IAEO-Sprecherin trafen Inspektoren der in Wien ansässigen UN-Behörde in der iranischen Atomanlage Natanz ein. Solange das Misstrauen nicht beseitigt sei, vertrete die internationale Staatengemeinschaft die Auffassung, dass eine so empfindliche Anlage nicht betrieben werden sollte. "Wenn man so was besitzt, ist man so nah an der Fähigkeit ... das Material für Atombomben zu haben", sagte Fleming dem Sender zufolge.
Der Vizechef der iranischen Atombehörde Saidi verwies in Teheran darauf, dass der Westen iranische Angaben zu Erfolgen bei der Atomtechnologie schon früher bezweifelt habe, im April des vergangenen Jahres. Später habe sich dann aber herausgestellt, dass die Angaben Teherans richtig gewesen seien.
Am Montag hatte der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad mit seiner Erklärung, der Iran habe die Fähigkeit zur industriellen Produktion von nuklearem Brennstoff erlangt, international Kritik ausgelöst. Es waren aber auch Zweifel an der Richtigkeit der Angaben laut geworden. Der Westen fürchtet, dass der Iran heimlich am Bau der Atombombe arbeitet.
Eine Übung der iranischen Luftwaffe im Umkreis des von Russland erbauten Atomreaktors Bushehr hat unterdessen in Moskau Verärgerung ausgelöst. Die iranischen Streitkräfte hätten Russland über das Manöver vom vergangenen Freitag nicht informiert, kritisierte Außenamtssprecher Michail Kamynin. Die russische Botschaft in Teheran deponierte, dass die russischen Experten in Bushehr künftig über solche Ereignisse in Kenntnis zu setzen seien.
Darüber hinaus wurde der Chef der iranischen Atombehörde, Sergej Nowikow, von der Nachrichtenagentur ITAR-Tass mit den Worten zitiert, iranische Manöver nahe der Nuklearanlagen von Bushehr seien den dortigen Bauarbeiten abträglich und sorgten nur für Spannungen. Beobachter sahen in der herben russischen Kritik ein Zeichen des wachsenden Konflikts zwischen Moskau und Teheran mit Blick auf Bushehr. Russland hat als ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat internationalen Sanktionen gegen den Iran zugestimmt, weil Teheran sein Programm zur Urananreicherung nicht aufgeben will. Moskau bemüht sich aber weiter um eine diplomatische Lösung des Atomstreits.
(apa/red)
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