Nach "Atommacht"-Ankündigung des Iran: Internationale Reaktion aus Sorge & Skepsis
- Teheran: 50.000 Zentrifugen für Uran-Anreicherung
- Experten bezweifeln Angaben der iranischen Führung

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Mit scharfer Kritik und auch Skepsis hat die internationale Staatengemeinschaft auf die iranische Bekanntgabe einer massiven Ausweitung des Atomprogramms reagiert. Zweifel an der Darstellung Teherans äußerten unter anderem Russland, Frankreich, Australien und Israel sowie mehrere Experten. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft drückte ihre Besorgnis aus. Unterdessen trafen zwei UN-Inspektoren zu einer Kontrolle der Atomanlage Natanz im Iran ein.
Der iranische Chefunterhändler Ali Larijani hatte erklärt, sein Land habe damit begonnen, in 3.000 Zentrifugen Uran anzureichern. Dies wäre fast eine Verzehnfachung der bisher vermuteten Kapazitäten. Präsident Mahmoud Ahmadinejad sagte, der Iran sei nun in der Lage, angereichertes Uran in "industriellem Maßstab" zu produzieren. Der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Reza Aqazadeh, erklärte, der Iran wolle sich nicht mit 3.000 Zentrifugen begnügen sondern wolle vielmehr 50.000 davon installieren.
Russland: Keine Bestätigung für Urananreicherung
Russland könne sich nicht vorstellen, wie der Iran binnen kürzester Zeit einen solchen technologischen Durchbruch geschafft haben könnte, erklärte Außenamtssprecher Michail Kamynin. Man habe die Internationale Atomenergiebehörde IAEA (IAEO) um eine Einschätzung gebeten und warte nun auf eine Antwort aus Wien. Eine Bestätigung für den Beginn der Urananreicherung in den neuen Zentrifugen liege noch nicht vor, sagte Außenminister Sergej Lawrow vor Journalisten.
Auch der australische Außenminister Alexander Downer bezweifelte den von Teheran gemeldeten Umfang der Urananreicherung. "Ich bin nicht sicher, ob das stimmt oder nicht", sagte Downer. Und der Sprecher des französischen Außenministeriums, Jean-Baptiste Mattei, sagte, Ankündigungen seien eine Sache, technische Realitäten eine andere.
Die "Jerusalem Post" zitierte einen offiziellen Vertreter Israels mit den Worten, man wisse, dass Ahmadinejad "nicht das besitzt, mit dem er prahlt". Die israelische Position sei jedenfalls, dass Ahmadinejad noch gestoppt werden könne. Sanktionen seien wirksam und sollten fortgesetzt werden, so der israelische Offizielle.
Allgemeine Skepsis bei Atom-Experten
Ein Analyst des renommierten Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London, Mark Fitzpatrick, vertrat die Ansicht, dass der Iran hinsichtlich des Umfangs der Urananreicherung wohl übertrieben habe. Um sicher zu sein, müsse man die Inspektoren der IAEA hören. Ähnlich skeptisch äußerten sich auch andere internationale Experten.
Auch Schweizer Experten bezweifeln, dass das Land schon genug Zentrifugen zur industriellen Urananreicherung installiert hat. Bekannt sei mittlerweile, dass der Iran Zentrifugen herstellen könne, sagte der ehemalige Schweizer Botschafter im Iran, Tim Guldimann, auf Anfrage der Schweizer Nachrichtenagentur SDA. "Aufgrund der vorliegenden Informationen ist es aber sehr unwahrscheinlich, dass bereits jetzt 3.000 Zentrifugen am Laufen sind", erklärte Guldimann.
Nuklearexperte ortet "große Lüge"
Der Nuklearexperte Bruno Pellaud bezeichnete die Aussagen der iranischen Regierung gegenüber Radio Suisse Romande (RSR) als "große Lüge". "Das wäre, wie wenn die Schweiz ankündigen würde, sie lanciere eine neue Automarke, nachdem sie die erste Schraube oder das erste Rad produziert hat", sagte Pellaud.
Bei der Internationalen Atomenergiebehörde hieß es, nach gesicherten Informationen habe Teheran bisher lediglich 1.000 Gaszentrifugen installiert. Ob diese bereits in vollem Umfang angereichertes Uran 235 zum Betrieb von Atomkraftwerken produzieren, sei ungewiss.
UNO: Teheran soll Resolutionen beachten
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon appellierte an Teheran, sich an die Resolutionen der Vereinten Nationen zu halten. Der UNO-Sicherheitsrat verlangt vom Iran, die Uran-Anreicherung zu stoppen. Erst Ende März hatte das Gremium seine Sanktionen gegen die Islamische Republik verschärft.
Die internationale Gemeinschaft befürchtet, dass der Iran die Urananreicherung zum Bau von Atomwaffen missbrauchen könnte. Dazu müsste Uran erheblich höher angereichert werden, als dies für Kernkraftwerke erforderlich ist. Teheran bestreitet diese Absicht. (apa/red)
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