Mittwoch, 11. April 2007

EADS macht sich keine Sorgen über Ver- tragsausstieg: "Fühlen uns nicht betroffen"

  • "Haben keinerlei Hinweise, keine Verdachtsmomente"
  • Hoeveler: Keine Auskunft über Prozesskosten

Eurofighter-Sprecher Wolfdietrich Hoeveler macht sich angesichts der immer heftiger werdenden Debatte in Österreich über einen möglichen Ausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag keine Sorgen. Auf Anfrage sagte Hoeveler am Mittwoch, es gebe keinerlei Anlass für Eurofighter, irgend etwas zu ändern. "Wir haben über die ganze Geschichte von der APA erfahren und waren genauso überrascht wie andere". Allerdings "fühlen wir uns überhaupt nicht betroffen".

Natürlich sehe man sich alle Unterlagen durch. "Wir haben uns das noch mal alles angeschaut. Aber wir haben keinerlei Hinweise, keine Verdachtsmomente. Was da passiert ist, ist offensichtlich ohne unser Wissen hinter unserem Rücken geschehen. Deswegen sehen wir keine Veränderung unserer Position", so Hoeveler.

Angesprochen auf allfällige Prozesskosten wollte Hoeveler keine Auskunft geben. "Ich spekuliere da überhaupt nicht." Er sehe auch nicht, dass jetzt der Druck auf EADS gestiegen sei. "Nein, das werden jetzt die Stellen in Österreich untersuchen, das lesen wir auch in der Zeitung und wir warten ab, was da rauskommt."

Befragt, ob EADS Kontakt zu ihrem Lobbyisten Erhard Steininger suche, der sich derzeit in Thailand aufhält, meinte Hoeveler, "ich weiß, dass die Anwälte miteinander geredet haben". Aber er wisse nicht, was konkret besprochen worden sei.

In der neuesten Ausgabe von "News" heißt es, dass Steininger hohe Provisions- und Spesenersätze kassiert habe. So erhalte Steininger fünf Prozent von jenen Marketinghonoraren, die er an Werbefirmen wie jene von Gernot Rumpold weitergeleitet habe. Zusätzlich habe EADS Steininger dessen Spesen bezahlt. Im Jahr 2002, in dem die Typenentscheidung fiel, habe Steiningers Unternehmen insgesamt 525.306 Euro an Provisionen und Spesen lukrieren können. Im Jahr darauf, dem Jahr der Unterzeichnung des Kaufvertrages, lagen die Einnahmen aus Provisionen und Spesen demnach bei 1,539.200 Euro.

Neben der 87.600 Euro-Zahlung an die Firma der Frau von Ex-Luftwaffenchef Erich Wolf habe Steininger weitere Gelder ausgezahlt: 188.000 Euro seien unter dem Titel "Beratungstätigkeit Eurofighter" an die Firma des Kaufmannes Alfred Plattner, 220.000 Euro an das Consultingunternehmen eines ungarischen Militärexperten gegangen, heißt es in "News".

Steininger dürfte unterdessen Angst um sein Leben haben. Sein Schweigen begründet er in einem von "News" veröffentlichten handschriftlichen Schreiben an seinen Anwalt so: "In dieser Branche ist Vertrauen und Verschwiegenheit nicht nur immer vertraglich geregelt, sondern ein absolutes muss. Ein Vertragsbruch kann sehr unangenehme Folgen haben." Steininger vergleicht seinen Fall mit aufklärungswürdigen Todesfälle seiner Branche und nennt dabei den ehemaligen Verteidigungsminister Karl Lütgendorf und ehemaligen Voest-Generaldirektors Heribert Apfalter. "Ich bin daher bestrebt, alles zu vermeiden um nicht den gleichen Weg dieser Herren zu gehen."

(apa/red)

11.4.2007 14:07