Freitag, 13. April 2007

Versuchter Mord an eigener Mutter: Tiroler Pensionist zu zehn Jahren Haft verurteilt

  • Mann war nach Verkündung des Urteils "perplex"
  • Fall wurde zum zweiten Mal in Innsbruck verhandelt

Zu zehn Jahren Haft ist ein Frühpensionist aus Tirol wegen versuchten Mordes an seiner Mutter von einem Innsbrucker Schwurgericht verurteilt worden. Der Fall wurde bereits zum zweiten Mal verhandelt. Das erste Urteil der Geschworenen hatte der Richter wegen Irrtums ausgesetzt.

In einem Verhältnis von 7:1 stimmten die Laienrichter für versuchten Mord. Die Milderungsgründe, wie die psychischen Probleme des Mannes und die Alkoholisierung mit zwei Promille zur Tatzeit, seien laut Verteidigerin Julia Lang ausschlaggebend für die Mindeststrafe gewesen. "Der Angeklagte ist perplex und hat nicht mit diesem Strafausmaß gerechnet", erklärte sie gegenüber der APA. Er hat sich Bedenkzeit erbeten.

Bei der ersten Verhandlung hatten 90 Prozent der Geschworenen den Mann aus Jenbach (Bezirk Schwaz) nur der absichtlichen schweren Körperverletzung und nicht des versuchten Mordes für schuldig befunden. Er hatte Ende März 2006 mit schweren Bergschuhen sechs Mal auf Kopf, Nacken, Schultern und Brustkorb der damals 67-jährigen Frau getreten. Er hatte ihr dabei Brüche des rechten Augenbogens zugefügt und ihre Ohrringe ausgerissen. Die Frau lebt nun in einem Altersheim im Zillertal. Der Mann befindet sich seit der Tat in Untersuchungshaft.

Die Mutter habe ihm schon in der Kindheit "Schläge auf die Seele" zugefügt, erklärte der Mann Richter Anton Mayr. In den vergangenen drei Jahren hätte er aber eine "durchschnittlich gute Beziehung" zu ihr gehabt. Während einer verbalen Auseinandersetzung Ende März hat sie jedoch "den Auslöser für den Sprengsatz gefunden" und er hat die "Panzersicherung weggeworfen", erklärte der Angeklagte weinend.

Der Frühpensionist hatte sich in der Vergangenheit mehrfach in psychiatrischer Behandlung befunden. Insgesamt vier Mal sei ihr Mandant wegen seines psychischen Zustandes bereits behandelt worden, schilderte die Anwältin. "Eine Krise der Persönlichkeitsentwicklung, paranoide Schizophrenie und formale Denkstörungen sind diagnostiziert worden." Bis 2003 habe der Angeklagte Medikamente genommen. Er habe die Tabletten abgesetzt, da er gemeint habe, seine Krankheit im Griff zu haben. Doch sein "seelisches Korsett" sei "nicht so stabil" gewesen. (apa/red)

13.4.2007 15:52